Samstag, Januar 23, 2016

Bestes Kommunalwahlplakat 2016

Die heiße Wahlkampfphase für die Kommunalwahlen am 6. März hat gerade erst begonnen, aber ich habe bereits meinen persönlichen Plakatfavoriten gefunden. Vielen Dank an Norman Gabler, Beinahe-Spitzenkandidat der Freien Demokraten in Wiesbaden (ja, die, die sich früher FDP genannt haben und der Einfachheit halber in diesem Beitrag von mir auch weiter so genannt werden). In diesem Plakat entdeckt man wirklich bei jedem mal hingucken neue Dinge und Botschaften, die es zu entschlüsseln gilt.

Beginnen wir einmal mit dem Offensichtlichen, nämlich dem Slogan: „Moderne Schulen statt Windräder“ [Denkpause] So, ihr könnt jetzt aufhören nach der Kausalität dieser Aussage zu suchen, denn es gibt sie schlichtweg nicht. Genauso gut könnte dort stehen: "Gute Straßen statt Ketchup auf den Pommes" (via Thomas Wieczorek). Man kann für gute Schulen sein und man kann gegen Windenergie sein. Dieser Slogan ist aber eine intellektuelle Beleidigung des Wählers.

Machen wir aber weiter. Der gute Mensch hat einen Laptop in der Hand. Das könnte nun eine Botschaft für eine moderne Partei wie die FDP sein, wenn man sich zudem über dem Slogan noch die verblasste und kaum zu erkennende Forderung „Wir brauchen ein Update“ dazu denkt. Wer den Satz bis jetzt immer noch nicht entdeckt kann muss sich keine Sorgen machen: Weder hat man deshalb ein schlechtes Augenlicht noch verpasst man etwas, denn konterkariert wird das ganze ohnehin gleich wieder durch die Arbeitshandschuhe, die der Beinahe-Spitzenkandidat zugleich trägt. Was will uns die traditionelle Arbeiterpartei FDP denn damit nun sagen (Laptop und Lederhose hat schließlich die CSU bereits für sich gepachtet)? Eine Warnung, dass man bei der Gestaltung von Plakaten am Laptop besser keine Arbeitshandschuhe tragen sollte, um solch ein Ergebnis zu verhindern? Oder das die FDP schon soweit vom klassischen Büroalltag entrückt ist, dass ihr nicht bekannt ist, dass Arbeitshandschuhe in der Regel nicht zur traditionellen Arbeitskleidung im Büro gehören. Bleibt zu hoffen, dass die Buchstaben auf der Tastatur ausreichend große Tasten haben, um sie "anzupacken" (puh, gerettet, ich wusste nicht, wie ich sonst den dritten Claim des Plakats auch noch in diesem Beitrag hätte unterbringen sollen).

Ihr glaubt jetzt aber, das war’s? Mitnichten! Denn bekanntlich kommt das beste ja zum Schluss. Und das versteckt sich schemenhaft im Hintergrund und heißt Christian Lindner, seines Zeichens FDP-Bundesvorsitzender und hier dargestellt in einer schemenhaften Mischung aus Marienstatue und Barack Obama mit Heiligenschein. Ob Herr Gabler auch ein Christian Lindner-Poster über seinem Bett hängen hat wie wir Jungsozialisten das früher mit Che Guevara gemacht haben? Womöglich erfahren wir das in der zweiten Plakatwelle :-)

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