Freitag, Januar 08, 2016

Eine Armlänge Verstand

Zu Köln ist schon beinahe alles gesagt, nur eben noch nicht von mir :-) Deshalb:

In der Silvesternacht haben fünf verloren.

  1. Zuallererst natürlich die Opfer. Dazu muss man nicht viel schreiben, da möchte man nicht tauschen, das ist immer und in allen vergleichbaren Fällen schlimm.
  2. Die Verantwortungsträger in Politik, Stichwort "Eine Armlänge Abstand", und das altbekannte Spiel "Wer ist Schuld außer mir und überbietet sich jetzt in populistischen und undurchdachten Forderungen, die eh nicht erfüllt werden?" mit dem einzigen Ziel, hier jetzt nochmal die parteipolitische Münze zu prägen und Kapital daraus zu schlagen.
  3. Die Polizei, wobei die Betonung hier ausdrücklich nicht auf den PolizistInnen, sondern auf den Verantwortungsträgern und in dem Fall dem Polizeipräsidenten liegt, der wider besseren Wissens unzureichend/falsch/unsachlich informiert hat (auch ich habe zunächst auf seine Aussage vertraut/gehofft). Er hat somit nicht nur der gesamten Debatte einen Bärendienst erwiesen, sondern wurde heute deshalb auch zurecht in den vorzeitigen Ruhestand versetzt aufgrund eines in der Tat gestörten Vertrauensverhältnisses nicht nur zu den politisch Verantwortlichen, sondern vor allem auch zur Bevölkerung selbst. Bleibt zu hoffen, dass Polizei und Justiz bei der Täterermittlung und -verurteilung ein besseres Bild abgeben (ja, egal welcher Nationalität, denn: Täter ist Täter!). Das gilt genauso für jeden grenzdebilen Täter, der zum Beispiel Brandsätze in Flüchtlingsunterkünfte wirft.
  4. Die Medien, weil sie aus falscher Rücksicht, Schnell- und Gutgläubigkeit oder auch mangelnder Recherche ebenfalls der Debatte einen Bärendienst erwiesen haben.
  5. Die Flüchtlinge. Denn natürlich waren es in Köln und sind es auch bundesweit nur eine absolute Minderzahl an Flüchtlingen und AsylbewerberInnen, die - um es sehr sehr freundlich auszudrücken - keine gute Kinderstube beweisen. Aber die letzten Tage zeigen ja ganz deutlich, welche Wirkung sie damit entfalten. Mir fällt dann immer ein Fußballfan-Vergleich an. Du kannst noch so viele coole Fans in der Kurve stehen haben, aber eine Handvoll Hooligans machen den gesamten Ruf des Vereins kaputt. Da in den letzten Tagen viel von Kulturkreisen gesprochen wurde hoffe ich nur, dass die Täter jetzt in ihre Flüchtlingsunterkünfte zurückkommen und von ihren Mitbewohnern sehr genau erklärt bekommen, welchen Bärendienst sie sich allen damit erwiesen haben. Für das Protokoll: Nein, natürlich ist das jetzt kein Aufruf zur Selbstjustiz, aber sehr wohl ein Appell an die Sozialkontrolle, die in einer zivilisierten Gesellschaft stets funktionieren sollte.
Und in der Summe dessen wären wir dann auch schon bei den Gewinnern von Köln: Die gesamte Meute aus AfD, Pegida, NPD, "besorgten Bürgern" & Co.. Vielen Dank! Die müssen aktuell vermutlich ersaufen vor Glück in den Steilvorlagen, die sie geliefert bekommen.

Wir brauchen keine Armlänge Abstand, sondern eine ganze Armlänge Verstand. Und zwar schnell!

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