Sonntag, Juli 31, 2016

Nicht die Flüchtlinge machen mir Angst...

Wenn Menschen jetzt Angst oder Unsicherheitsgefühle haben aufgrund der jüngsten Taten, auch in unserem Land, kann ich das verstehen. Niemand sollte aber hereinfallen auf die Illusion von denen, die ein vermeintliches Sicherheitsgefühl vermitteln wollen, indem sie am lautesten schreien: "Grenzen dicht - Flüchtlinge raus - kein Multikulti"! Es wird keinen einzigen, ich betone keinen einzigen Attentäter von seiner Tat abhalten. Stattdessen sollte man sich besser einmal in die Lage der in Flüchtlingsgebieten lebenden Menschen versetzen. Nur ansatzweise.

470 000 Menschen tot! 1,9 Millionen verletzt! Fast die Hälfte der Bevölkerung auf der Flucht! Zu diesem schockierenden Ergebnis kommt eine neue Studie des „Syrian Centre for Policy Research“ (SCPR), die dem „Guardian“ exklusiv vorliegt. Insgesamt 11,5 Prozent der Bevölkerung Syriens ist demzufolge tot oder verwundet. Die Lebenserwartung ist von 70 Jahren (2010) auf 55,4 (2015) gesunken. Von den 470 000 Toten sollen laut Studie 400 000 durch direkte Gewalt getötet worden sein, 70 000 indirekt, also wegen nicht ausreichender Versorgung. Insbesondere die 6,3 Millionen im Land Vertriebenen und die Menschen in den belagerten Städten leiden unter einem Mangel an Nahrung, sauberem Wasser, sanitären Anlagen und Medizin. Der wirtschaftliche Schaden für das Land betrage rund 255 Milliarden Dollar. Der Autor der Studie geht davon aus, dass die Zahlen der indirekt durch den Krieg Getöteten (also durch Hungerblockaden und Belagerungen) in der Zukunft noch stark ansteigen werden. Die Preise in Konfliktgebieten und belagerten Städten sind um ein Vielfaches angestiegen, 13,8 Millionen Syrer haben ihre Einkommensquelle verloren. Die Zahl der Menschen in Armut ist allein 2015 um 85 Prozent gestiegen. Die Bevölkerung ist um 21 Prozent geschrumpft, insgesamt sind 45 Prozent auf der Flucht, davon 6,36 Millionen im eigenen Land, mehr als 4 Millionen im Ausland (davon allein 2,5 Mio. in der Türkei).

Nicht die Flüchtlinge machen mir Angst, sondern diejenigen, die sie zu Flüchtlingen machen!

Lasst uns deshalb helfen, wo wir helfen können. Diejenigen, die bei uns Zuflucht suchen, sind nicht unsere Feinde, sondern unsere Verbündeten im Kampf gegen diesen Terror! Wir müssen sie zwingend (!!!) trennen von denjenigen, die uns diese Menschlichkeit nicht gönnen und im pervertierten Religionswahn glauben, einen finalen Schlachtzug gegen das Gute in unserer aufgeklärten Welt führen zu müssen.

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