Sonntag, November 06, 2016

Ein Politikerlob

Schöner Kommentar von Kirsten Pape
Ein Politikerlob
Ich möchte an dieser Stelle mal loben. Wertschätzung und Dankbarkeit zum Ausdruck bringen für all die Politikerinnen und Politiker, die unter immer härteren Bedingungen ihren Job für uns (!) machen.
Die, egal, ob sie auf Kommunal-, Landes- oder Bundesebene arbeiten, in endlosen Sitzungen und Debatten den mühsamen Weg der Diskussion und der Erarbeitung von Kompromissen gehen. Die Beschimpfungen, Hassmails und Schlimmeres ertragen bei guter, aber nicht unangemessener Bezahlung und einer stets vollgepackten Arbeitswoche.
Die Menschen in der Politik, die noch für ihre Vision einer besseren Welt und ihre Konzepte dazu demokratisch streiten. Und die nicht aufgeben angesichts der zunehmenden Komplexität der Probleme, der massiven Krisen und Bedrohungen, sondern hart arbeiten. Die meisten Politiker versuchen jeden Tag aufs Neue, Antworten zu finden auf die Herausforderungen einer ver-(!) rückten Welt.
Und was ernten Sie überwiegend dafür?
Die Bundeskanzlerin und ihre Minister werden kritisiert, oft verhöhnt, egal was sie tun oder nicht tun. Die Politiker der Opposition nicht minder - ihre Vorschläge werden nicht selten zerrissen, bevor überhaupt eine ernsthafte Debatte aufkommen kann. Nicht nur viele Journalisten machen Politiker immer wieder zur Projektionsfläche für alle niederen Instinkte: Angeblich wollen "die da oben" alle nur Macht und Geld. Trotzdem arbeiten die so Gescholtenen weiter, sitzen auf endlosen Gipfel- oder Koalitionsrunden in Brüssel, Berlin oder anderswo. Politiker suchen das Gespräch mit den Bürgern, auch den sogenannten Wutbürgern und denen, die sich in ihrer Rolle als Opfer einer ungerechten Welt eingerichtet haben.
Ich finde es erschreckend, wie viele Menschen sich mittlerweile einer sachlichen Diskussion komplett entziehen, sich Parallelöffentlichkeiten zurecht googeln, in denen es sich frei von jeglicher Notwendigkeit zur Auseinandersetzung bequem und wütend leben lässt. Fast genauso erschreckend finde ich , wie viele einstige politisch Interessierte und auch Aktive resignieren, oder es sich bequem machen nach dem Motto: Ich kann ja sowieso nichts ändern  - der Mensch ist nun mal wie er ist – gierig, neidisch, aufs eigene Wohl bedacht und im Zweifel schnell bereit, sich  abzuschotten oder Populisten hinterherzulaufen.
Wer immer nur auf "die da oben" schimpft, sich selbst aber jeder Übernahme von Verantwortung oder Mitgestaltung der Welt, in der wir alle nun mal zusammen leben, entzieht, macht es sich zu leicht.
Es reicht nicht, Ungerechtigkeit und Abgehängt sein zu beklagen, selbst aber die Hände in den Schoß zu legen. Angesichts der zahlreichen politischen Krisen ist jeder und jede einzelne gefragt, etwas dagegen zu tun. Jeder von uns kann auch im Kleinen Verantwortung übernehmen, verzichten, teilen. Das ist unbequem. Aber es ist die einzige Chance, die wir haben.
Mit Wut, Politiker- und Elitenbeschimpfung und dem ständigen Blick auf das, was vermeintlich nicht funktioniert, kommen wir nicht weiter. Mit eigenem gesellschaftlichem Engagement, mit Wertschätzung füreinander - auch für die, die uns politisch repräsentieren - schon.

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