Donnerstag, Dezember 15, 2016

Rogue One: A Star Wars Story

Braucht es zusätzlich zur Verfilmung der aktuell dritten "Star Wars"-Trilogie noch ein Spin Off? Aus Sicht von Disney und rein ökonomisch betrachtet gewiss. Immerhin hat sich der Konzern den Rechteerwerb  rund vier Milliarden Dollar kosten lassen - und dieses Geld muss wieder reingespielt werden. Aber auch inhaltlich und konzeptionell ist „Rogue One“ ein Gewinn für die Saga aus einer weit, weit entfernten Galaxie. Wer für den unwahrscheinlichen Fall noch nie Berührungspunkte mit der Sternensaga hatte, wird also gute zwei Stunden bestens unterhalten. Und wer sich wie ich zu den vielen Millionen "Star Wars"-Fans in dieser Galaxie zählt, erhält in genau diesen gut zwei Stunden ein bestens inszeniertes gut in die Originalfilmreihe passendes Puzzlestück und verschmerzt so, auch erstmals zu Filmbeginn nicht durch den allseits bekannten Theme in die Kinostühle zurückgepresst zu werden.

Darin lag dann sicher auch die Hauptherausforderung der Filmemacher um Gareth Edwards: Einen eigenen Stil und Ton zu setzen, ohne dabei die eingefleischten Fans zu vergrätzen. Ein Drahtseilakt, der zum Glück gut geklappt hat.

„Rogue One“ erzählt also eine Geschichte, von der jeder „Star Wars“-Fan weiß, dass sie passiert ist, nur nicht genau wie, weil sie im legendären ersten Film (Episode IV) nur mit ein paar dürren Worten erwähnt wurde: Dass es nämlich ein paar mutigen Rebellenkämpfern unter Aufopferung ihres eigenen Lebens gelungen ist, dem Imperium die genauen Konstruktionspläne des Todessterns zu stehlen. Im Zentrum von „Rogue One“ steht nun die Rebellen-Soldatin Jyn Erso (Felicity Jones), leibliche Tochter des Waffenkonstrukteurs Galen Erso (Mads Mikkelsen), der vom Imperium verschleppt wurde, als Jyn noch ein kleines Mädchen war. Jyn bekommt nun vom Rebellen-Oberkommando den Befehl, zusammen mit dem wenig zimperlichen Cassian Andor (Diego Luna) ihren Ziehvater Saw Gerrera (Forest Whitaker) zur Zusammenarbeit zu überreden. Denn Gerrera führt so etwas wie seinen eigenen radikalen Zweig innerhalb der Widerstandsbewegung und hält den gemeuterten imperialen Piloten Bodhi Rook (Riz Ahmed) gefangen, der behauptet, dass das Imperium eine furchterregende Waffe konstruiert hat, einen Planeten-Killer in Form einer Raumstation. Die Behauptung stößt auf einige Skepsis unter den Rebellen. Mit einem Team aus munteren Charakteren führt Galen schließlich eine Himmelfahrtsmission an: Der Diebstahl der Todessternpläne, bevor dieser erstmals zum Einsatz kommen kann.

In „Rogue One“ hat das „Wars“ im Namen der Filmreihe ein deutlich stärkeres Gewicht. Gleichzeitig werden aber genug Wiedererkennungswerte geschaffen, die das Fan-Herz höher schlagen lassen. An erster Stelle steht hier die Ausstattung, da „Rogue One“ chronologisch in den Tagen direkt vor „Episode IV“ spielt. Aber auch das Auftreten bekannter Figuren, die aus der Geschichte heraus auch vollkommen Sinn machen. Ein eigener Subplot innerhalb den Rängen des Imperiums dreht sich zum Beispiel um den Machtkampf zwischen Orson Krennic (Ben Mendelsohn), der die Konstruktion des Todessterns geleitet hat, und Wilhuff Tarkin, der das militärische Kommando über die neue Station innehat. Tarkin nun kennt man als „Star Wars“-Fan sehr gut aus „Episode IV“, und statt das sehr prägnante Gesicht des damaligen (und 1994 verstorbenen) Darstellers Peter Cushing durch ein neues zu ersetzen, entschied man sich für die tricktechnische Lösung und einen komplett computergenerierten Tarkin, dessen Künstlichkeit kaum auffällt. Das ist aber nicht der einzige Cameo-Auftritt, so viel sei an dieser Stelle verraten... Und, getreu dem Motto „Never change a running system“, verlässt man sich auch in diesem Plot auf klassische „Star Wars“-Stärken: K-2SO, ein gekaperter Imperiums-Droid, der seit seiner Neuprogrammierung etwas mehr redet, als er sollte und in seiner trockenen Präsentation meistens sehr witzig und ein klares Highlight des Films darstellt.

Klares Highlight ist schließlich der ausgiebige Showdown zum Ende des Films, der in seiner verschachtelten Konstruktion paralleler Ereignisse, der technischen Umsetzung und Inszenierung nahezu makellos ist und ein wahres Fest von einem Leinwand-Spektakel – insbesondere, aber nicht nur für Star Wars-Fans – darstellt und einen nahtlosen Übergang zu Episode IV schafft. Zwar total berechenbar, aber trotzdem großartig.


Original: Star Wars: Rogue One
Regie: Gareth Edwards
Drehbuch: Chris Weitz, Tony Gilroy
Cast: Felicity Jones, Diego Luna, Alan Tudyk, Ben Mendelsohn, Mads Mikkelsen, Donnie Yen, u.a.
Spielzeit: 133 Minuten
Kinostart: 15. Dezember 2016

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