Samstag, Juni 30, 2012

Waschbär

Wer einem so alles auf dem Weg nach Büdingen zum Juso-Landescamp begegnet...einfach putzig :-)





Freitag, Juni 29, 2012

Die Fahne

Pünktlich zum Start der Fußball-Europameisterschaft säumten nicht nur die vielen Hobby-Fans, die das Jahr über sonst vermutlich keine drei Nationalspieler aufzählen oder Abseits erklären können, die Public Viewing-Meilen. Es begann auch wieder die bereits 2006, 2008 und 2010 hochgekochte Diskussion um das Verhältnis der Deutschen zu ihren Staatssymbolen und ihrem Heimatland. Die Grüne Jugend unterstützte eine Aktion der Antifa, Deutschland-Fähnchen an Autos abzubrechen und rief damit offen zu Straftaten auf. Die hessische CDU fühlte sich dazu erkoren, per Landtagsdebatte die Bürger zum Jubeln zu animieren und der hessische Ministerpräsident setzte dem noch die Krone auf, als er forderte, dass deutsche Nationalspieler die Hymne mitzusingen hätten. Dabei schwangen immer wieder folgende Fragen im Hintergrund mit: Kann man also patriotisch sein, ohne nationalistisch zu sein? Kann man eine Deutschland-Fahne tragen/hissen/posten, ohne als Nationalist bezeichnet zu werden? Muss man als Träger des deutschen Trikots die Hymne singen und welchen Einfluss hat dies gar auf den sportlichen Erfolg der deutschen Fußballnationalmannschaft (wer den „Text“ der spanischen Nationalhymne mit deren Erfolg vergleicht, kann sich die Frage im übrigen schnell selbst beantworten)? Wie  bereits bei den vergangenen Turnieren auch wird diese Debatte mit dem Schlusspfiff des EM-Finals wieder ganz schnell in den Tiefen des politischen Sommerlochs verschwinden – und das ist auch gut so. In Zeiten, wo ein Mesut Özil, Sami Khedira, Miroslav Klose, Mario Gomez (und mit Abstrichen auch ein Lukas Podolski) umjubelte Stützen einer ebenso umjubelten deutschen Mannschaft sind, sollte die Freude über diese multikulturell und damit repräsentativ für dieses Land besetzte deutsche Mannschaft doch die Befürchtungen überwiegen, ein deutscher Erfolg würde vermeintlich tief im Unterbewusstsein versteckten nationalistischen Gefühle Auftrieb verleihen. Zumindest war meine wahrgenommene Realität bei den eingangs erwähnten Public Viewings eine gänzlich andere. Dort war die Europameisterschaft ein gemeinsames Fest der Nationen, verkörpert durch die Zusammensetzung der deutschen Nationalmannschaft und zum Teil doppelt beflaggter Fans auf den Straßen und in den Stadien. Es empfiehlt sich also eine entspannte und entkrampfte Herangehensweise an die eingangs erwähnten Fragen, die sich im übrigen nur deshalb stellt in dieser Vehemenz stellt, weil die deutsche Fußballnationalmannschaft uns seit Jahren mal wieder mit erfolgreichem und (!) ansehnlichen Fußball verwöhnt. Der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau (SPD) hat meines Erachtens einmal den Spagat zwischen dem (noch) legitimen Patriotismus auf der einen und dem andere abwertenden (und damit nicht mehr legitimen) Nationalismus auf der anderen Seite sehr treffend auf den Punkt gebracht, als er sagte:  
„Wir dürfen Patriotismus niemals mit Nationalismus verwechseln. Ein Patriot ist einer, der sein eigenes Vaterland liebt. Ein Nationalist ist einer, der die Vaterländer der anderen verachtet“.

Mittwoch, Juni 27, 2012

Telefoninterview

So was kann echt nur mir passieren...

Für 11h hatte ich ein Telefoninterview vereinbart. Und um Punkt 11h klingelt dann auch das Handy. Am Hörer ist aber nicht das Unternehmen A, mit dem ich ein Telefoninterview vereinbart, sondern das Unternehmen B, mit dem ich bereits vergangene Woche ein Bewerbungsgespräch geführt hatte und auf eine Zu- oder Absage wartete. Daraufhin ereignete sich dann in etwa folgendes sinngemäßes Gespräch:

Gesprächspartner: "Guten Tag Herr Sinß (...). Sie konnten uns überzeugen. Ich habe mit meinem Geschäftsführer gesprochen und wir würden Sie sehr gerne einstellen. Als Einstiegsgehalt haben wir uns auf xx.xxx/Jahr geeinigt."

Ich (in der Annahme, dass ich gerade das Telefoninterview mit Unternehmen A führe, denen ich bis jetzt ja nur meine Bewerbungsunterlagen zugesandt hatte): "Wow, das geht aber schnell. Ich hätte da noch ein bis zwei Fragen zur Stelle und zum Unternehmen A..." [...und stelle munter Fragen, die ergo a) nicht zum Unternehmen B und zur Stelle passen, mit dem ich gerade das Gespräch führe - u.a. Aufzählung falscher Standorte - und b) schon im eigentlichen Bewerbungsgespräch mit Unternehmen B beantwortet wurden]

Gesprächspartner: [Beantwortet dennoch munter die Fragen, nennt dabei beiläufig die richtigen Standorte des Unternehmens]

Ich: [Stelle munter weitere Nachfragen]
Gesprächspartner: [Beantwortet weiterhin munter meine vollkommen sinnlosen Fragen und erwähnt beiläufig nochmal den Firmennamen (!!!)]

Ich: [plötzlich lauthals lachend]

Gesprächspartner: "Oh, was ist denn so lustig?"

Ich: "Ach ich freue mich nur so..."

P.S.: Gegen 11.20 Uhr klingelte erneut mein Handy und die Stimme von Unternehmen A am anderen Ende der Leitung begrüßt mich mit "Guten Tag, Herr Sinß, entschuldigen Sie die Verspätung, aber ich kam leider nicht vorher aus einem Meeting raus, weshalb ich die vereinbarte Uhrzeit von 11h nicht ganz halten konnte..."


:D

Dienstag, Juni 26, 2012

Revolution der Lernkultur

Sehr eindrucksvolle Sichtweise auf den heutigen Universitätsalltag:
"(...) Das relevante Wissensformat einer solchen allein an der Normativität des Faktischen orientierten Informations- und Mediengesellschaft ist das jeweils für aktuell erklärte „Lehrbuch“ sowie die in Skripten und Powerpoint-Präsentationen niedergelegten Auffassungen des Dozenten, also das „prüfungsrelevante Kompaktwissen“. Das „Design der Module und der Aufbau des Studiums“, so die Hochschulrektorenkonferenz, „fokussiere auf die zu erwerbenden Kompetenzen und damit auf die ,Learning Outcomes’ der Studierenden“.
Der Student lernt dementsprechend Antworten auf Fragen auswendig, die er selbst nie gestellt hätte. Ein Problem als Problem zu behandeln, eine Frage als Frage zu erörtern ist daher nicht das Ziel modularisierter Vorlesungen. Es werden nur Fragen gestellt, auf die es auch eine Antwort gibt, Beobachtungen gemacht, aus denen sich Regeln ableiten lassen. Die Erkenntnisse der Forschung werden auf Merksatzformate eingedampft, Lehrstreitigkeiten gelten als entschieden. (...)"

Montag, Juni 25, 2012

Jusos: CDU schießt sich selbst ins Abseits

„An Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten“ Die CDU-Fraktion im Hessischen Landtag möchte eine Aktuelle Stunde zum Thema „Hessen fiebert bei der EM: Patriotismus und Unterstützung der deutschen Nationalmannschaft schließen sich nicht aus“ beantragen. Dazu erklärt Carsten Sinß, Vorsitzender der südhessischen Jusos:

Was sich die hessische CDU erlaubt, ist an Peinlichkeit mittlerweile nicht mehr zu überbieten. Zunächst musste das Land Hessen über ein Jahrzehnt die Politik von Ministerpräsident Roland Koch ertragen. An ihm konnte man sich aber zumindest noch politisch abarbeiten. Die politische Arbeit haben dessen Nachfolger Volker Bouffier und seine hessische CDU allerdings seit geraumer Zeit eingestellt. Dem nicht genug soll sich nun aber der hessische Landtag nicht etwa mit wichtigen Fragen wie dem Wirtschaftsstandort Hessen, der Energiewende oder einer echten Bildungsoffensive, sondern mit Fußball beschäftigen. Die CDU möchte so, offensichtlich motiviert durch die Äußerungen einzelner Fußballspaßbremsen, in alter pawlowscher Manier einen PR-Gag landen und mit der Patriotismuskarte von der eigenen Tatenlosigkeit bzw. der Tatenlosigkeit der von ihr getragenen Landesregierung ablenken und sich zudem noch im Erfolg anderer sonnen. Damit schießt sich die CDU aber sprichwörtlich selbst ins Abseits. Denn wer der deutschen Nationalmannschaft für den restlichen Verlauf des EM-Turniers die Daumen drückt oder nicht, bleibt gefälligst den Bürgern selbst überlassen und ist keine Frage, mit der sich die hessischen Landtagsabgeordneten zu beschäftigen haben, die von Steuergeldern bezahlt werden. Wir Jusos drücken der deutschen Nationalmannschaft die Daumen und freuen uns über ihre Leistung als Integrationsmotor in Deutschland. Vor allem drücken wir aber die Daumen, dass es bald keine CDU-geführte Landesregierung mehr gibt.

Sonntag, Juni 24, 2012

Die 10 Tugenden des ehrbaren Kaufmanns

Zukünftig auch für mich als Diplom-Kaufmann relevant...


Die Tugenden eines ehrbaren Kaufmanns sind Grundlage der Unternehmenstätigkeit der selbständigen Versicherungskaufleute und werden von den Mitgliedern des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK) durch Anerkennung des BVK-Leitbildes und der Berufsregeln verpflichtend gelebt. Der „Ehrbare Kaufmann“, geprägt durch Kompetenz, Unternehmertum und ethische Grundlage seines Handelns.
Tugend 1: Der „Ehrbare Kaufmann“ ist sich seiner politischen und sozialen Verantwortung bewusst
Er bekennt sich zur freiheitlich demokratischen Grundordnung, zur Achtung der berechtigten Interessen des Einzelnen, zur Chancengleichheit und zur Teilhabe an Sicherheit und Versorgung. Er setzt sich für Gerechtigkeit, Solidarität, Toleranz und Wohlstand ein.

Tugend 2: Der „Ehrbare Kaufmann“ nimmt seine sozialpolitische Aufgabe aktiv und verantwortlich an
Seine wichtigste Aufgabe ist neben der Absicherung der allgemeinen Lebensrisiken die Ergänzung der sozialen Sicherungssysteme einschließlich der staatlichen Fürsorge. Daraus erwächst ihm die Verpflichtung, sich aktiv in sozial- und wirtschaftspolitischen Fragen gegenüber seinen Kunden, Geschäftspartnern und der Öffentlichkeit zu positionieren. Er stellt so die Leistung und Bedeutung seines Berufsstandes für die Gesellschaft unter Beweis.

Tugend 3: Der „Ehrbare Kaufmann“ bekennt sich zu ethischem Handeln 
Sein Leben und seine Arbeit orientiert er an den Regeln der guten Sitten und des Anstandes, die nicht geprägt sind von Gier, Neid, Manipulation und Korruption. Er bekämpft aktiv Marktteilnehmer und Wettbewerber, deren Handeln von unethischen Motiven geprägt ist.

Tugend 4: Der „Ehrbare Kaufmann“ handelt nachhaltig
Er versteht sich als Teil der Gesellschaft, der Wirtschaft und der natürlichen Umwelt und sorgt nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit für einen Ausgleich. Er hinterfragt gegenüber Partnern und Kunden Produkte und Lösungen auch auf ihre Nachhaltigkeit. Er orientiert sich nicht an kurzfristigen und riskanten Produkten, sondern bietet seinen Kunden nachhaltige Lösungen für die jetzige und für künftige Generationen an.

Tugend 5: Der „Ehrbare Kaufmann“ steht für Identifikation und bürgerschaftliches Engagement
Er identifiziert sich mit seinen Berufskollegen und seinem Berufsstand sowie deren Organisation. Er weiß um die Stärke der Solidarität und Gemeinsamkeit, in der er sich engagiert. Als Vorbild übernimmt er freiwillig gesellschaftliche Aufgaben.

Tugend 6: Der „Ehrbare Kaufmann“ verpflichtet sich dem Interesse seines Kunden
Er berät seine Kunden fair und an den individuellen Bedürfnissen ausgerichtet. Vertriebssteuerungen lehnt er ab. Er erteilt den Kunden seinen Rat unabhängig von einem unmittelbaren Geschäftsabschluss.

Tugend 7: Der „Ehrbare Kaufmann“ versteht Vertrauen als Grundlage seines Handelns
Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit, fairer Umgang miteinander, pünktliches Leisten, korrektes Abrechnen, Loyalität und das Handeln nach dem Prinzip von Treu und Glauben begründen ein auf Dauer angelegtes Vertrauen seines Kunden.

Tugend 8: Der „Ehrbare Kaufmann“ setzt seine Wertestandards und sein Handeln ständig einer kritischen Selbstreflexion aus
Die von den Grundtugenden abgeleiteten Wertestandards bedürfen der ständigen Überprüfung. Der ehrbare Kaufmann stellt sich offen der Diskussion um seinen Berufsstand und sucht aktiv den Kontakt mit allen gesellschaftlichen Gruppen. Er überprüft und reflektiert sein Handeln in ständigem Austausch mit seinen Kunden, Kollegen und Mitarbeitern.

Tugend 9: Der „Ehrbare Kaufmann“ erfüllt hohe Standards im Umgang mit seinen Mitarbeitern
Offenheit, Fairness, Respekt, Transparenz des unternehmerischen Handelns, Dialog- und Kritikbereitschaft, Verantwortung, Vertrauen und vorbildliche Führung sind selbstverständliche Werte für den Umgang mit seinen Mitarbeitern und fördern zugleich deren Motivation und Identifikation mit den Unternehmenszielen.

Tugend 10: Der „Ehrbare Kaufmann“ steht für Qualifikation und Kompetenz
Ständige Weiterentwicklung der fachlichen und sozialen Kompetenzen und der Kundenorientierung sind eine weitere unersetzliche Basis und Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg des Versicherungsvermittlers.

Die Versammlung eines ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg e. V. geht auf das Jahr 1517 zurück und hat ein Leitbild des ehrbaren Kaufmanns erarbeitet, das in neun Leitsätzen einen Orientierungsrahmen bietet für ehrbares Verhalten. Der Verein tritt dafür ein, dass im Rahmen der jeweils gültigen Gesetze die im Geschäftsverkehr allgemein anerkannten ethischen Grundsätze und das Prinzip von Treu und Glauben beachtet sowie Handlungen unterlassen werden, die mit dem Anspruch auf kaufmännisches Vertrauen nicht vereinbar sind.

Der ehrbare Kaufmann als Person:
Sich zur Einhaltung von Werten verpflichten
  • Der ehrbare Kaufmann ist weltoffen und freiheitlich orientiert.
  • Der ehrbare Kaufmann steht zu seinem Wort, sein Handschlag gilt.
  • Der ehrbare Kaufmann entwickelt kaufmännisches Urteilsvermögen.

Der ehrbare Kaufmann in seinem Unternehmen:
Bedingungen für ehrbares Handeln schaffen
  • Der ehrbare Kaufmann ist Vorbild in seinem Handeln.
  • Der ehrbare Kaufmann schafft in seinem Unternehmen die Voraussetzungen für ehrbares Handeln.
  • Der ehrbare Kaufmann legt sein unternehmerisches Wirken langfristig und nachhaltig an

Der ehrbare Kaufmann in Wirtschaft und Gesellschaft:
Den Rahmen für ehrbares Handeln begreifen und gestalten
  • Der ehrbare Kaufmann hält sich an das Prinzip von Treu und Glauben.
  • Der ehrbare Kaufmann erkennt und übernimmt Verantwortung für die Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung.
  • Der ehrbare Kaufmann tritt auch im internationalen Geschäft für seine Werte ein.

Freitag, Juni 22, 2012

The fields of Athenry

Die irischen Fans sind definitiv die ersten Gewinner der Europameisterschaft. Als Irland gegen Ende der Partie 0:4 gegen Spanien zurückliegt, entsteht einer der bewegendsten Momente der bisherigen Fußball-Europameisterschaft. 20.000 stimmgewaltige Fußball-Fans stimmen lautstark die traditionelle Folk-Ballade „The Fields of Athenry“ an. Das Ende der 1970er Jahre entstandene Werk thematisiert die große irische Hungersnot Mitte des 19. Jahrhunderts und erzählt von einem Mann, der Getreide stiehlt, um seine Familie vor dem Hungertod zu retten. Gänsehaut-Faktor garantiert, als selbst die spanischen Fans im Stadion schwiegen und dem stolzen Gesang lauschten.

Mittwoch, Juni 20, 2012

Kulturelle Verständigung

"Tausend Ausdrücke hat der Araber für ein Schwert, der Franzose für die Liebe, der Engländer für das Hängen, der Deutsche für das Trinken und der Münchner sogar für die Orte, wo er trinkt."

- Christian Johann Heinrich Heine (1797-1856), dt. Dichter & Journalist („Mit scharfer Zunge“) -

Dienstag, Juni 19, 2012

Offener Brief an Campus Grün

Nachdem sich die Juso-Hochschulgruppe nach der Wahl zum Studierendenparlament an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mehrheitlich für die Fortsetzung einer Koalition mit dem RCDS entschieden hat, hat Campus Grün den Unterstützern einer "rot-grünen" Koalition innerhalb der Jusos gestern einen Offenen Brief geschrieben. Darauf folgt nun heute meine offene Erwiderung.

Liebe Freundinnen und Freunde von Campus Grün,

ich möchte mich bei Euch für euren „Offenen Brief“ vom 18. Juni sehr herzlich bedanken, auch weil ich mich als Unterstützer einer möglichen rot-grünen Koalition im Studierendenparlament der Johannes Gutenberg Universität Mainz persönlich angesprochen gefühlt habe.


Wir „Jungsozialist_innen“, in Kurzform reicht auch Jusos, fühlen uns ohne Ausnahme den Grundwerten der SPD bzw. der Jusos verpflichtet und versuchen diese durch konkretes politisches Handeln in die Tat umzusetzen. Aber eben weil Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität für uns Jusos elementare Grundwerte sind, möchte ich euch erklären, warum ich euer Angebot nur unter bestimmten Voraussetzungen als überlegenswert erachte.


Bei uns Jusos hat jede/r die Möglichkeit, ihre/seine Meinung einzubringen. Unter anderem verstehen wir das unter Freiheit. Jede Meinung wird gehört und jede Stimme zählt gleich. Unter anderem verstehen wir auch das unter Gerechtigkeit. Allerdings tragen wir demokratisch gefasste Willensbildungen mit, auch wenn sie uns einmal nicht passen. Unter anderem verstehen wir das unter Solidarität.
Ich würde mir wünschen, dass ihr – im Sinne der zweifelsfrei vorhandenen inhaltlichen Gemeinsamkeiten unserer beider Gruppen – euer Angebot nicht nur einer bestimmten Anzahl an Personen, sondern im Sinne eines demokratischen Willensbildungsprozesses allen (!) Jusos an der Johannes Gutenberg Universität Mainz unterbreitet, um „über die Grenze von Koalition und Opposition hinweg für unsere gemeinsamen Vorstellungen zu wirken, sei es inhaltlich, strukturell oder personell“. Denn gemeinsam können unsere Gruppen mehr gemeinsame politische Vorstellungen umsetzen als der Versuch, sich nur die vermeintlichen liebsamen Teile herauszupicken. Wir Jusos sind nicht immer einer Meinung, aber wir bleiben geschlossen.

In diesem Sinne verbleibe ich

Mit solidarischen Grüßen

Euer Carsten

Sonntag, Juni 17, 2012

18 Stunden Berlin

Noch vor 6 Uhr ging es heute mit dem ersten ICE vorbei an "Windradmonstern" und schönen Landschaften mit Umstieg in Hannover in die Bundeshauptstadt (die mit dem ProblemBER) ins Willy-Brandt-Haus 1,2 zur SPD-Kreisvorsitzendenkonferenz in Vertretung meines Vorsitzenden, wo uns der (erleuchtete?) Parteivorsitzende u.a. auf den Bundestagswahlkampf einstimmte. 18.30 Uhr war dann schon wieder Rückreise angesagt nach kurzem Nickerchen an der Spree bei Sonnenschein.

Den Deutschland-Sieg gegen Dänemark konnte ich aber immerhin via MobilHotspot-Twitter-SMS-Ticker-ICELockführerinfo ganz gut verfolgen :-)

Samstag, Juni 16, 2012

lg-Nobelpreis

Der Ig-Nobelpreis (englisch-/französischsprachiges Wortspiel: ignoble unwürdig, schmachvoll, schändlich), gelegentlich als Anti-Nobelpreis bezeichnet, ist eine satirische Auszeichnung, um wissenschaftliche Leistungen zu ehren, die „Menschen zuerst zum Lachen, dann zum Nachdenken bringen“ („to honor achievements that first make people laugh, and then make them think“). Vergeben wird der Preis von der in Cambridge erscheinenden Zeitschrift Annals of Improbable Research. Die Preise werden an der Harvard-Universität überreicht. Eine Bedingung für eine Nominierung ist, dass die Entdeckung nicht wiederholt werden kann oder nicht wiederholt werden sollte. Weiterhin muss das Forschungsthema neuartig sein – niemand darf vorher eine ähnliche wissenschaftliche Arbeit abgeliefert haben.

Ich habe mal aus den einzelnen Jahren meine Favoriten rausgepickt. So gab es in der Vergangenheit u.a. Preisträger für... :-)
  • 1991 - Medizin: Alan Kligerman, Entwickler verdauungsbezogener Erlösung, Retter im Falle von Ausdünstungen und Erfinder von Beano für seine pionierhafte Arbeit mit Antigas-Flüssigkeiten, die Blähung, Übelkeit und Verärgerung vermeiden.
  • 1992 - Physik: David Chorley und Doug Bower, Löwen der Tiefenergiephysik, für ihre kreisförmigen Beiträge zur Feldtheorie der geometrischen Zerstörung englischer Kornfelder.
    Eine Dose Spam
  • 1993 - Frieden: Die Pepsi-Cola Company der Philippinen, für die Förderung eines Wettbewerbs, der einen Millionär küren soll, und das Ansagen der falschen Gewinnzahl, wodurch sie 800.000 randalierende und erwartungsvolle Gewinner anspornte und vereinte und viele verschiedene Parteien zusammenbrachte, zum ersten Mal in der Landesgeschichte.
  • 1994 - Physik: The Japanese Meteorological Agency, für ihre siebenjährige Studie darüber, ob Erdbeben durch Welse verursacht werden, die mit den Schwänzen wackeln. (Der Gewinner ist nicht mehr offiziell gelistet, da sein Gewinn auf etwas basiert, was sich als irriger Pressebericht herausstellte.)
  • 1995 - Frieden: Das taiwanische Nationalparlament für deren Demonstration, dass Politiker mehr durch einander Boxen, Schlagen und Prügeln gewinnen als dadurch, Kriege gegen andere Nationen zu führen.
  • 1996 - Frieden: Jacques Chirac, der zum Gedenken an den fünfzigsten Jahrestag von Hiroshima im Pazifik Atomtests durchführen ließ.
  • 1996 - Physik: Robert Matthews von der Aston University in Birmingham für seine Studien zu Murphys Gesetz, insbesondere für den Nachweis, dass Toastbrotscheiben einer ihr innewohnenden Tendenz unterliegen, auf die gebutterte Seite zu fallen.
  • 1998 - Literatur: Mara Sidoli aus Washington, D.C. für ihren erleuchtenden Bericht „Furzen als Verteidigung gegen unaussprechliche Furcht“.
  • 1999 - Biologie: Paul Bosland, Direktor des Chile Pepper Institutes der New Mexico State University für die Züchtung eines Jalapeño-Chili ohne Schärfe.
  • 2000 - Gesundheit: Jonathan Wyatt, Gordon McNaughton und William Tullet aus Glasgow für ihren alarmierenden Bericht „Der Zusammenbruch von Toiletten in Glasgow.“
  • 2001 - Technik: zu gleichen Teilen verliehen an John Keogh aus Hawthorn, Victoria (Australien), für die Anmeldung des Rades zum Patent im Jahre 2001 und das australische Patentamt, das ihm Patent #2001100012 ausstellte.
  • 2002 - Hygiene: Eduardo Segura aus Tarragona in Katalonien (Spanien) für die Entwicklung einer Waschmaschine für Hunde und Katzen.
  • 2003 - Ingenieurswissenschaften: John Paul Stapp, Edward A. Murphy und George Nichols für die Entwicklung von Murphys Gesetz: If there are two or more ways to do something, and one of those ways can result in a catastrophe, someone will do it (auf Deutsch: „Wenn es zwei oder mehr Wege gibt, etwas zu tun, und einer der Wege zu einer Katastrophe führt, dann wird jemand genau diesen Weg einschlagen.“ Oftmals wird dies auch so übersetzt: „Falls irgendetwas schiefgehen kann, wird es das.“).
  • 2004 - Medizin: Steven Stack von der Wayne State University, Detroit, USA und James Gundlach von der Auburn University, USA, für ihren Bericht über die Effekte von Country-Musik auf Selbstmörder.
  • 2005 - Frieden: Claire Rind und Peter Simmons von der Newcastle University für die Erforschung der Hirnströme von Heuschrecken beim Star-Wars-Betrachten.
  • 2006 - Akustik: D. Lynn Halpern von Harvard Vanguard Medical Associates, der Brandeis University und der Northwestern University, Randolph Blake von der Vanderbilt University und der Northwestern University und James Hillenbrand von der Western Michigan University und der Northwestern University für Experimente zur Erhellung der Ursachen, warum Menschen das Geräusch von über Tafeln kratzenden Fingernägeln ungern hören.
  • 2006 - Physik: Basile Audoly und Sebastien Neukirch von der Universität Pierre und Marie Curie in Paris, für ihre Einblicke in das Phänomen, dass trockene Spaghetti bei Biegung meist in mehr als zwei Teile zerbrechen.
  • 2006 - Mathematik: Nic Svenson und Piers Barnes von der Australian Commonwealth Scientific and Research Organization, für die Berechnung der Anzahl an Fotos, die aufgenommen werden müssen, um sicherzustellen, dass (fast) niemand in einer Gruppe die Augen geschlossen hat.
  • 2007 - Frieden: Dem Wright Laboratorium der U.S. Air Force, weil es Forschungsarbeiten über chemische Waffen angeregt hatte, welche gegnerische Truppen schwul machen sollten (siehe auch Sex Bomb).
  • 2008 - Medizin: Dan Ariely für seine Demonstration, dass teure Placebos besser wirken als billige.
  • 2009 - Medizin: Donald L. Unger aus Kalifornien (USA) für die Untersuchung, ob tägliches Fingerknacken über 60 Jahre hinweg Arthritis in der Hand verursacht. Er knackte dazu 60 Jahre lang regelmäßig mit den Fingern seiner linken, nicht aber seiner rechten Hand. Arthritis bekam er in beiden Händen nicht.
  • 2010 - Medizin: Simon Rietveld von der Universität Amsterdam (Niederlande) und Ilja van Beest von der Universität Tilburg (Niederlande) für die Entdeckung, dass Asthmasymptome mit einer Achterbahnfahrt behandelt werden können.
  • 2011 - Physik: Philippe Perrin, Cyril Perrot, Dominique Deviterne, Bruno Ragaru und Herman Kingma für den Versuch, herauszufinden, warum Diskuswerfern schwindlig wird und Hammerwerfern nicht, in ihrem Papier: „Schwindel bei Diskuswerfern ist verwandt mit der Reisekrankheit, die durch Drehen erzeugt wird“.
  • 2012 - Psychologie: Anita Eerland, Rolf Zwaan und Tulio Guadalupe für ihre Studie „Der Eiffelturm sieht kleiner aus, wenn man sich nach links lehnt.“
  • 2013 - Psychologie: Laurent Bègue, Oulmann Zerhouni, Baptiste Subra, Medhi Ourabah und Brad Bushman für ein Experiment, das zeigte, dass Menschen, die glauben, betrunken zu sein, auch glauben, attraktiv zu sein.
  • 2014 - Wirtschaft: ISTAT, das staatliche Italienische Statistikinstitut, für seinen Nachweis, dass Italien führend in der Erfüllung der europäischen Vorgaben für das Wirtschaftswachstum ist – wenn Einnahmen aus Prostitution, Drogenhandel, Schmuggel und illegalen Finanztransaktionen mitgerechnet werden.
  • 2015 - Literatur: Mark Dingemanse, Francisco Torreira und Nick J. Enfield für ihre Entdeckung, dass das Wort „Huh?“ (oder dessen Entsprechung) in jeder menschlichen Sprache zu existieren scheint – und dafür, dass sie sich nicht sicher sind, warum das so ist.[131]

Donnerstag, Juni 14, 2012

Warum wir für Europa kämpfen müssen

Ein Gastbeitrag von Michael Pfenning.


Nach dem beinahen Kollaps der internationalen Finanzmärkte und der daraufhin  einsetzenden Erschütterungsdynamik, die sich seit nunmehr 2 Jahren in einer  Finanzierungskrise einiger europäischer Staaten manifestiert, ist die internationale  Politik mal wieder bei sehr grundsätzlichen Fragen angelangt. Kann das europäische Projekt trotz der immensen ökonomischen Schieflage und der massiven Ausreizung  finanzieller Solidarität fortgesetzt werden oder wird Europa wieder in unabhängige  Nationalstaaten zerfallen? Kann Deutschland seine ökonomische Stärke nutzen im  Interesse aller Europäer schmerzhafte Reformen anzustoßen oder beschwört jeder Versuch deutscher Einflussnahme auf Krisenstaaten längst verloren gegangene Ängste  einer dominierenden deutschen Besatzungsmacht? Wird das europäische Modell der  Aufklärung von Freiheit, Menschenrechten, Rechts-, Sozialstaatlichkeit und Demokratie  nach der Krise immer noch ein erstrebenswertes Modell für Schwellenländer sein oder  werden andere Staats- und Gesellschaftsmodelle eher attraktiv sein für Länder, die sich  auf den Weg machen wollen? Werden die Staaten dieser Welt ihre Lektion aus der Krise  ziehen und Mechanismen finden langfristig solide Staatsfinanzen zu sichern oder  bleiben wir auf dem Weg der zügellosen Verschuldung? Und letztlich: Wird  Kontinentaleuropa eine Renaissance der Vernunft – das heißt eine Rückbesinnung auf  die Kultur der sozialen Marktwirtschaft – erleben oder werden radikale Gruppen an den  Rändern des politischen Spektrums mit sehr dumpfbackigen Parolen Versprechungen  von einer besseren Welt machen, die letztlich Europa weniger frei, weniger  nachbarschaftlich und weniger sicher machen? Es ist Zeit zu erkennen, was die Stunde  geschlagen hat und sich nach Antworten umzuschauen.

Eine Analyse der Fehler, die gemacht wurden, wird uns wenig helfen

Dass der Euro Konstruktionsfehler besitzt, ist aus heutiger Sicht unstrittig. Zum einen  hätte man neben der Währungsunion für eine stärkere fiskalische und  wirtschaftspolitische Union sorgen müssen. Zum anderen wussten all die, die es wissen  wollten, dass Griechenland, Portugal und zu einem gewissen Maß auch Italien nicht die  Rahmenbedingungen für einen Eurobeitritt erfüllten. Im Fall von Italien bat die  damalige italienische Regierung selbst um einen Aufschub des Beitrittstermins, weil  man sich noch nicht reif für die gemeinsame Währung empfand. Wir Deutschen waren  es unter der damaligen Regierung Kohl, die den Eurobeitritt Italiens trotz aller  Bedenken durchsetzten. Im Fall von Griechenland verharmlosen wir mit der Vokabel  „kreative Buchführung“ einen Vorgang, den man nur als Betrug bezeichnen kann. Das  alles war im Nachhinein ein riesiger Fehler. Allerdings wird uns die Erkenntnis darüber  nicht nutzen, wenn wir die aktuellen Probleme lösen wollen.

Als die Währungsunion geschlossen war und die Staaten der Peripherie Zugang zu  neuen Finanzmärkten erlangten, wurde die Chance vertan die zuvor gemachten Fehler  zu korrigieren. Im Falle von Griechenland lagen die Zinsen, die auf Staatsanleihen zu  entrichten waren vor dem Euro bei 10%-14%, mit Beitritt zur Währungsunion sank der  Zinssatz schlagartig auf 3% - und das bei einer Inflation von 2,5%-3%. Was bedeutet  man konnte sich zum Nulltarif an den Finanzmärkten Geld leihen. Diese Chance hätte  man nutzen müssen, um wichtige Investitionen in Infrastruktur und Bildung zu  vollziehen. Das tat man aber nicht. Stattdessen liefert das Griechenland von heute ein  desaströses Bild von Reform- und Investitionsstau.

Neben der aktuellen Krise darf man nicht vergessen was Europa für Deutschland bedeutet

Der Auslöser der Eurokrise war die zuvor ausgebrochene Finanzkrise. Wie bei der  großen Weltwirtschaftskrise 1929 schwappte eine vor allem amerikanische Krise mit all  ihren Wellen von Risikomissachtung und Renditewahn über den Atlantik und führte in  Europa zu immensen Spannungen in der Finanzarchitektur. Anders als 1929 waren die  europäischen Regierungen so klug der Krise offensiv zu begegnen. Mit  Konjunkturprogrammen und Bankenrettungsschirmen konnte das Schlimmste  verhindert werden. 1929 verlief die Geschichte anders – unter Reichskanzler Brüning  dachte man, man könne sich aus der Krise sparen. Die Folge waren  Massenarbeitslosigkeit und soziale Unruhen. Dies lieferte letztlich einen Katalysator, der  1933 in Deutschland diejenigen an die Macht brachte, die den europäischen Kontinent  ins Verderben stürzten und die dafür verantwortlich sind, dass wir Deutschen noch viele  Jahrhunderte mit der Hypothek des größten Verbrechens aller Zeiten belastet sein  werden. Nach 1945 und all der Verachtung, die uns Deutschen zu Recht  entgegengebracht wurde, besann man sich unter den Alliierten darauf, die Fehler des  Versailler Vertrages nicht zu wiederholen. Man entschloss sich dazu Deutschland einen  Neustart zu gewähren mit einem Investitionsprogramm, das heute als Marshallplan  bekannt ist. Dieser Plan trug einen nicht zu vernachlässigenden Teil dazu bei, dass die  junge deutsche Demokratie sich so schnell festigen konnte. Nach dem leicht  abgewandelten Satz von Karl Marx „das ökonomische Sein bestimmt das politische  Bewusstsein.“ half der wirtschaftliche Aufschwung genannt Wirtschaftswunder das  Vertrauen der Menschen in das System der Demokratie zu stärken. Deutschland konnte  mit der Westintegration – später mit der Ostpolitik unter der Regierung Brandt – seinen  vielzähligen Nachbarvölkern deutlich machen, dass von Deutschland keine Gefahr mehr  ausgeht. Im Ende war das der Grund, dass unsere Nachbarstaaten der deutschen  Wiedervereinigung zustimmten und sich mit uns über diese historische Sensation  freuten. Man musste vor den Deutschen keine Angst mehr haben. Die europäische  Integration, die dann nach dem Fall des eisernen Vorhangs weiter fortschreiten konnte,  half nationalstaatliche Alleingänge – gerade auch die der Deutschen – zur Seltenheit zu  machen.

In einem größeren Kontext muss man erkennen, dass die europäische Integration dafür  verantwortlich ist, dass dieser Kontinent seit nunmehr über 60 Jahren in Frieden und  Wohlstand leben kann. Dies ist im Vergleich zu den Jahren zwischen 1618 und 1945 ein  absoluter Ausnahmezustand, der uns Deutschen etwas bedeuten sollte. Die 300 Jahre  vor dem Ende des Krieges waren durch Mord, Gemetzel und Hass gekennzeichnet. Dazu  gehört der 30-jährige Krieg von 1618-1648, neben vielen anderen Schlachten der 7- jährige Krieg, die französische Revolution, die Napoleonischen Kriege, die  bürgerkriegsähnlichen Zustände des Vormärzes bis 1848, die Einigungskriege vor der  Gründung des Kaiserreiches, der erste Weltkrieg und der zweite Weltkrieg. 300 Jahre in denen es kaum eine Generation von jungen Männern gab, die sich nicht in einem europäischen Krieg gegenüberstanden.

Parallel zu den Kriegen hat sich langsam aber sicher eine Kultur entwickelt, die sich nur in der westlichen Welt finden lässt. Das ist die Kultur der Aufklärung, die es geschafft hat eine einzigartige Lebensweise der Freiheit, der Menschenrechte und des Wohlstands zu schaffen. Viele nicht westlichen Ländern haben es leicht die ebenfalls der Aufklärung entstammenden naturwissenschaftlichen Erkenntnisse für die Etablierung einer Wohlstandsgesellschaft zu nutzen. Kommt es aber zur Freiheit und zu den Menschenrechten so muss man feststellen, dass es in nicht westlichen Ländern noch Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, dauern wird bis sich diese Errungenschaften in ihrer Gänze etablieren werden. Europa und der Westen haben hier eine Vorreiterrolle, die wir nur halten können wenn wir an dem europäischen Projekt festhalten. Jede Entscheidung, die wir im Zuge der Eurokrise treffen, muss sicherstellen, dass wir dieses Europa nicht aufgeben.

Zu einer wichtigen Gepflogenheit der europäischen Diplomatie gehört es und daran wird festzuhalten sein, dass Deutschland trotz seiner ökonomischen Stärke sehr bescheiden sein muss, wenn es um die Ausübung einer europäischen Führungsrolle geht. Deutschland kann Europa nicht im Alleingang führen, niemand würde uns folgen. Die Erinnerung an den deutschen Führungsanspruch im 20. Jahrhundert - trotz der Entspannung in den letzten 60 Jahren - scheint wieder präsent zu sein. Unsere Nachbarvölker fühlen sich unwohl wenn Deutschland als europäische Zentralmacht auftritt und das muss man in Anbetracht der Ereignisse des vergangenen Jahrhunderts als äußert verständlich hinnehmen. Anders ist es, wenn die Achse Paris-Berlin funktioniert – dann sind die kleineren europäischen Völker gewillt den Weg mitzugehen. Wenn Deutschland und Frankreich sich dieser Verpflichtung zu einem Kompromiss in der jetzigen Debatte nicht bewusst werden, wird das europäische Projekt unweigerlich Schaden nehmen.

Die sich verschiebenden Muster der globalen Machtverteilung zwingen uns zu Europa zu stehen

Neben der deutschen Verpflichtung für Europa und der unbedingt notwendigen Erhaltung einer friedlichen Nachbarschaft mit unseren vielen Nachbarvölkern, spielt Europa für Deutschland eine immer wichtiger werdende strategische Rolle. Wir sind Exportweltmeister und der Euro hat uns bisher sehr gute Dienste geleistet, deutsche Unternehmen, zumindest was deren Exporte in die Eurozone angeht, vor Verlusten durch Währungsschwankungen zu schützen. Das sind immerhin 70% der Exporte. Darüberhinaus muss man aber auch in Anbetracht internationaler Beziehungen zu der Erkenntnis kommen, dass sich die Muster der Machtblöcke international verschieben werden. Die Zeiten sind vorbei in denen ein elitärer Kreis von sieben großen westlichen Industriestaaten den Ton angeben können. China, Indien, Brasilien, Indonesien, Süd-Afrika, die Türkei und viele mehr verkürzen den Vorsprung des Westens in Wohlstand und industrieller Leistungsfähigkeit verbunden mit gesteigertem internationalen Machtbewusstsein. Um weiterhin sein Gewicht auf die Waagschale bringen zu können muss Europa mehr denn je mit einer Stimme sprechen – eine öffentliche Meinungsmache, die Griechen als faule Schmiergeldzahler und die Deutsche als Spardiktatoren mit Hitlerbärtchen karikiert ist hier wenig zuträglich. Aber noch viel wichtiger: wir dürfen trotz aller notwendiger Haushaltskonsolidierung in Athen und anderswo nicht billigend in Kauf nehmen, dass Schuldnerländer sich wegen Sparmaßnahmen selbst gesellschaftlich destabilisieren. Die Gefahr ist real, dass ein Flächenbrand sozialer Unruhen in Griechenland einen Funkenflug über ganz Europa auslöst und Brände in den Vorstadtghettos entzündet, die die Randalen in Paris und London der vergangenen Jahre harmlos erscheinen lassen.

Außerdem ist die momentane ökonomische Stärke der Bundesrepublik teilweise auch auf die Schwäche anderer Länder zurückzuführen. Unsere Leistungsbilanzüberschüsse sind die Defizite der anderen. Das soll nicht heißen, dass wir Deutschen im europäischen Interesse in Zukunft schlechtere Produkte und Dienstleistungen herstellen sollten, wir sollten uns aber bewusst darüber sein, dass neben der ökonomischen Betrachtung auch eine soziale Betrachtung in unserem Interesse liegt. Wenn Deutschland jetzt in der Krise als sicherer Wohlstandshafen in mitten Europas wahrgenommen wird und gleichzeitig jeder zweite junge Spanier keine Arbeit findet, könnte das dazu führen, dass Deutschland wie ein Staubsauger die qualifizierten Arbeitnehmer aus den Ländern der Peripherie absaugt, obwohl diese in ihren Heimatländern dringend gebraucht werden. Ein innereuropäischer braindrain könnte die Lage in Ländern wie Spanien, Griechenland und Portugal nochmal verschlechtern und deren Zukunft noch weiter eintrüben.

Je mehr man über Griechenland erfährt, desto größer ist die Empathie mit den einfachen Griechen, aber desto größer wird auch das Unverständnis für die Verantwortungslosigkeit ihrer politischen Eliten

Im Umgang mit Griechenland sollte man vor allem einen volkstümlichen Merksatz beherzigen: „der Ton macht die Musik.“. Selbst wenn man, wie Madame Lagarde – ihres Zeichens Chefin des internationalen Währungsfonds (IWF) – seine Kritik mit belegbaren Fakten untermauert, läuft man immer Gefahr in einer emotional geführten Debatte, das Gegenteil von dem zu erreichen, was man eigentlich erreichen will. In manchen Fällen mag es ratsam sein öffentliche Kritik zu äußern, um Verbesserungen zu bewirken – im Fall von Steueroasen zum Beispiel – im Fall von Griechenland sollte man Vorsicht walten lassen. Zumal auf beiden Seiten der Boulevard zur Auflagensteigerung mit dumpfen Parolen und realitätsverachtenden Karikaturen Öl ins Feuer eines ohnehin lodernden Konfliktes gießt. Christine Lagarde weißt zu Recht darauf hin, dass ein großes Problem der Griechen der fehlende Vollzug von Steuerpflicht und die Steuerflucht ins Ausland ist. Was aber untergeht ist, dass das Hauptproblem nicht der kleine schwarzarbeitende Handwerker ist - das gibt es in Deutschland auch – vielmehr ist es die Steuerflucht der Bestverdiener in einem Maße, dass wir in Deutschland trotz allem Schwarzgeld bei Schweizer Banken nicht kennen. Viele von diesen Steuerhinterziehern bekleiden tragende Funktionen bis hin zu den obersten Ebenen des griechischen Staates. Dass der griechische Staatsapparat dann nicht in der Lage ist Steuern einzutreiben und die bestehenden Gesetze zu vollziehen, kann niemanden wirklich verwundern.

Ohne echte Wettbewerbsfähigkeit wird keine Summe, egal wie groß sie ist, Griechenland aus der Krise helfen können

Ganz abgesehen von der Steuerproblematik krankt die griechische Wirtschaft immens an Wettbewerbsfähigkeit. Eine Wahrheit, die man als Sozialdemokrat ungern ausspricht, ist die Tatsache, dass die griechischen Löhne wohl 30-40% zu hoch liegen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Länder mit ähnlichem Produktivitätsniveau wie Bulgarien oder die Slowakei liegen weit unter dem griechischen Lohnniveau. Die zentrale Frage der Griechenlandproblematik ist die Folgende: wie kann man die Wettbewerbsfähigkeit wieder herstellen und gleichzeitig verhindern, dass der soziale Zusammenhalt und damit der innere Frieden verloren geht?

Ein Mittel, das schon zu Beginn der Krise ergriffen wurde waren Lohnkürzungen. Diese konnten aber aus zwei Gründen gar nicht funktionieren. Erstens weil sie viel höher hätten sein müssen, um den Arbeitsmarkt konkurrenzfähig zu machen und zweitens weil sie sozialpolitisch einseitig die arbeitende Bevölkerung getroffen haben und den Bestverdienern kaum etwas abverlangt wurde. Eine Möglichkeit Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen könnte über den Außenwert der Währung geschehen – hierzu müsste Griechenland die Gemeinschaftswährung allerdings verlassen. In diesem Fall wäre der Staatsbankrott unausweichlich, da die Schulden, die dann in Fremdwährung zurückgezahlt werden müssten, schlagartig mehr wert würden. Es bleibt abzuwarten ob im Anschluss dann wieder Banken gerettet werden müssen und wir wieder beim ersten Kapitel der Finanzkrise landen. Einigermaßen beruhigend konnte man schon vernehmen, dass sich viele europäische Banken aus dem Geschäft mit griechischen Staatsanleihen verabschiedet haben bzw. die Rückzahlung der Kredite sowieso schon gar nicht mehr erwartet wird – die Forderungen also schon als abgeschrieben angesehen werden. Der vorangegangene Schuldenschnitt hat hierzu wohl auch schon einiges beigetragen. Vorteil einer Abwertung der Währung ist, dass die sozialen Implikationen um ein vielfaches geringer ausfallen, als bei den schon durchgeführten Lohnkürzungen.

Im Moment haben all die Hilfszahlungen nur dazu gedient die Schulden der Griechen zu bedienen. Das heißt das Geld ist so schnell aus Griechenland heraus geflossen, wie wir es dorthin überwiesen haben. Es ist noch kein Geld in Investitionen geflossen. Dies kann auch nicht funktionieren, so lange es in Griechenland nichts zu verdienen gibt. Mit anderen Worten: Das Kapital bleibt nicht an Griechenland haften, weil es keine Aussicht auf renditebringende Anlagen gibt. Vor einem Investitionsprogramm muss also immer die Herstellung der Wettbewerbsfähigkeit stehen. Denn staatliche Investitionen können zwar voranschreiten, sie müssen aber zwingend um private Investitionen ergänzt werden.

Die Verursacher der Krise endlich auch an den Kosten beteiligen und längst überfällige Strukturreformen der EU durchführen

Eine Krise ist auch immer eine Chance. In diesem Fall die Chance zwingend erforderliche Modernisierungen und politische Reformen durchzuführen. Ein europäischer Investitionsfonds – evtl. geleitet durch die europäische Investitionsbank – muss zur Verfügung gestellt werden, um in den Krisenstaaten die erforderlichen Investitionen in Bildung und Infrastruktur durchzuführen. Die zentrale Frage der Kontrolle – wer kontrolliert eigentlich die Verwendung der Gelder und bewilligt diese? – ist sicherlich bisher nicht ausreichend beantwortet worden, es gibt aber, was die Vorstellung der Finanzierung angeht, einige sinnvolle Ansätze.

Neben der unbedingt notwendigen finanziellen Beteiligung der Verursacher der Finanzkrise über eine Finanztransaktionssteuer auf europäischer Ebene muss auch darüber nachgedacht werden, ob es nicht endlich an der Zeit ist die Subventionen an die europäische Landwirtschaft zu kürzen. Von dieser Subventionspolitik profitieren nicht nur Kleinbauern und deren Familien, wie öffentlich fälschlicherweise behauptet wird. Es sind auch Großkonzerne, die hier völlig zu Unrecht Fördermittel erhalten. Darüberhinaus wissen wir, dass unsere Subventionsagrarwirtschaft internationale Wettbewerbsverzerrungen auslöst, die in Teilen der Entwicklungsländer katastrophale Auswirkungen hat.

In Sachen Finanztransaktionssteuer gibt es in Deutschland Fortschritte. Sie war Bedingung der SPD und der Grünen für die Zustimmung zum Fiskalpakt. In wie weit sie aber noch aufgeweicht wird, um möglichst viele europäische Länder zum Mitmachen zu bewegen, muss abgewartet werden. Fraglich ist auch deren zeitliche Umsetzung nach den Äußerungen von Wolfgang Schäuble von diesem Wochenende.

Man kann viele andere europäische Länder zum Mitmachen bewegen, wenn man zusätzlich einen Tilgungsfonds für Altschulden einführt. Was allerdings aus heutiger Sicht schwer praktikabel zu sein scheint, sind die oft auftauchenden Eurobonds. Das Interesse an Eurobonds ist bei vielen Ländern so hoch, weil man auf diese Art ähnlich gute Zinsen wie Deutschland für die Ablösung seiner Kredite zu erwarten hat. Es spricht auf den ersten Blick auch nichts dagegen mit der Beteiligung an Eurobonds andere

Staaten an den niedrigen Zinsen teilhaben zu lassen. Doch wer garantiert, dass die anderen europäischen Staaten die niedrigen Zinsen für Investitionen und nicht für ein „Weiter so“ mit der zügellosen Verschuldung nutzen? Gibt es wirksame Kontrollmechanismen, die verhindern dass das eingenommene Geld in Prestigeprojekte oder öffentlichen Konsum gesteckt wird? Oder ist der beste Kontrollmechanismus immer noch die Tatsache, dass jedes Land für sich die Zinsen zu zahlen hat, die das eingegangene Risiko reflektieren?

Die Griechische Lösung – Ein Ende mit Schrecken ist besser als ein Schrecken ohne Ende

Bei der aktuellen Situation in Griechenland hat man nur die Wahl zwischen unbefriedigenden Lösungen. Der sich abzeichnende Weg für Griechenland lautet ungefähr so:

Griechenland verlässt die Eurozone aus eigenem Antrieb, führt eine eigene Währung ein und wertet diese ab, um seine Wettbewerbsfähigkeit zurück zu erlangen. Im selben Atemzug erklärt sich Griechenland als zahlungsunfähig – seine Schulden werden gestrichen. Ein europäischer Investitionsfonds stellt Gelder bereit. Ein europäisches Gremium kontrolliert die Verwendung der Mittel und genehmigt deren Ausschüttung. Die Europäische Union übt massiven politischen Druck auf Steueroasen aus, um Konten von Griechen einzufrieren und nachträglich durch den griechischen Staat versteuern zu lassen. Sollte der Griechische Staat nicht in der Lage sein, die Steuern einzutreiben, übernimmt die europäische Union diese Aufgabe. Die Mittel fließen in diesem Fall in den europäischen Investitionsfonds. Ein europäisches Sozialprogramm federt die sozialen Auswirkungen ab.

Die Auswirkungen eines Euroaustritts Griechenlands sind nicht hundertprozentig abzusehen. Was geschieht mit den anderen Krisenstaaten? Fallen diese wie Dominosteine ebenfalls aus der Währungsunion – oder kann Europa die anderen Kandidaten innerhalb des Euros unterstützen ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern? Wie so oft gibt es keine einfachen Antworten auf komplexe Zusammenhänge und leider werden wir auch im Nachhinein oft nicht wissen, ob der eingeschlagene Weg der Richtige war. Es ist nicht die erste Finanzkrise, die wir erleben und wahrscheinlich auch nicht die Letzte. Ein altes Sprichwort scheint heute aktueller als je zuvor: „Immer wenn sich die Geschichte wiederholt, wird es teurer.“.



Michael Pfenning ist Vorsitzender der Viernheimer JUSOS und SPD-Mitglied. Er ist seit 2011 Stadtverordneter in Viernheim und Kreistagsmitglied. Er studiert Wirtschaftsingenieurwesen an der Universität Karlsruhe (TH) und hat an der amerikanischen Columbia University in New York Finanzökonomie und politische Theorie studiert.

Montag, Juni 11, 2012

Aus den Gremien

Öffentliche Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 11.06.2012 um 19:00 Uhr

Bericht und Anfragen

1) Bericht des Magistrats

2) Beantwortung von Anfragen

Die SPD-Fraktion wollte in einer Anfrage wissen, ob der Magistrat eine Möglichkeit sieht, das Zweckverbandsschild Rheingau an der B42 bei Winkel von der nördlichen Seite auf die südliche umzustellen, da es in der jetzigen Position kaum zu sehen ist. Der Magistrat hat zugesagt, die Verlegung zeitnah zu prüfen. Zudem stellte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen die Anfrage, warum auf dem Flyer zur 900-Jahrfeier des Ortsteils Hallgarten nicht auch die Stadtverordnetenvorsteherin abgebildet wurde. Der Magistrat sagte zu, dass die Stadtverordnetenvorsteherin als „oberste Bürgerin der Stadt“ nun wenigstens in einer weiteren Publikation mit abgebildet wird.

Vorlagen aus früheren Sitzungen

3) Kommunaler Schutzschirm Hessen

Einstimmig angenommen. Die Stadtverordnetenversammlung hat den Magistrat beauftragt zu prüfen, unter welchen Bedingungen die Stadt das Angebot des Landes Hessen zur Schuldenübernahme von rund 9 Millionen Euro und einer Zinsvergünstigung für die Tilgungsleistung der Stadt annehmen kann. Denn mit dem Gang unter den Kommunalen Schutzschirm sind erhebliche Einsparauflagen für die Stadt verbunden. Der SPD ist es wichtig, dass sich Gebühren- und Steuererhöhungen in Grenzen halten und die soziale Infrastruktur inklusive Vereinsförderung, Schwimmbad, freiwilligen Feuerwehren, Brentanoscheune etc. nicht beschädigt werden sollen. Kritisch zu hinterfragen ist auch, dass das Land Hessen den Kommunen zuvor insgesamt mehr Geld entzogen hat durch die Kürzung des Kommunalen Finanzausgleichs, als sie nun unter Auflagen bereit ist wieder zurückzugeben.

4) Antrag Fraktionen SPD und Grüne: "Kommunales Schutzschirmgesetz" (Gesetzentwurf der Landesregierung, Landtags-Drucksache 18/5317)
Der Antrag wurde für erledigt erklärt, nachdem der Magistrat die darin gestellten Fragen beantwortet hatte.

5) Antrag der FDP-Fraktion: Übertragung der Sitzung Stadtverordnetenversammlung via Live-Stream
Einstimmig bei einer Enthaltung angenommen. Es soll in Kooperation mit der Reformschule und der Jugendpflege ein Konzept entwickelt werden, wie zukünftig Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung via Live-Stream über das Internet übertragen werden können.

6) Bebauungsplan Nr. 92 "Gewerbegebiet Doosberg/Koeppgleis", Oestrich, hier: Interessenten
Mit den Stimmen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen abgelehnt. Wegen unzureichender und nur scheibchenweise vorgebrachter Informationen haben SPD und Bündnis 90/Die Grünen erst Stück für Stück erfahren, dass die geplante Installation einer Brecheranlage zwecks Recycling von Steinen eine erhebliche Lärmbelastung für die angrenzenden Anwohner, den benachbarten Spielplatz und das Wohnheim für Menschen mit Behinderung bedeutet und das Regierungspräsidium eine genau solche Verwendung dieser Anlage bereits einmal im Stadtgebiet aus Lärmschutzgründen untersagt hatte. Das ursprünglich unterstütze Ansinnen der Ansiedlung von Lagerflächen wurde damit leider konterkariert. Unschön waren zu dem verbale Ausfälle und Einwürfe des CDU-Fraktionsvorsitzenden, die sich letzten Endes so hochschaukelten, dass es zu einer Sitzungsunterbrechung kommen musste.

7) Ergänzungsantrag der Fraktionen SPD und Grüne zu Beschlussvorlage 2011/189
Wurde von SPD und Bündnis 90/Die Grünen zurückgezogen, weil die Vorlage unter Tagesordnungspunkt 6 abgelehnt wurde.

8) Änderungsantrag Fraktionen SPD und B´90/Die Grünen: Antrag zum Haushaltsentwurf 2012 – Innenentwicklungskataster (Bauleitplanung)
Diese Vorlage, basierend auf einem Antrag von SPD und Bündnis 90/Die Grünen im Rahmen der letzten Haushaltsberatungen, wurde zur Kenntnis genommen. Das Innenentwicklungskataster soll vor der Ausweisung neuer Baugebiete Möglichkeiten der Entwicklung in bereits bebauten Gebieten („Lückenschluss“) aufzeigen.

8a) Unabhängigkeit des Seniorenbeirats
Von SPD und Bündnis 90/Die Grünen für erledigt erklärt. Mit diesem Antrag wollten SPD und Bündnis 90/Die Grünen noch einmal zum Ausdruck bringen, dass sie keine Beeinflussung der Arbeit des Seniorenbeirats durch den Ersten Stadtrat oder andere wünschen und der Seniorenbeirat zu Informationsveranstaltungen autark Referenten einladen kann und diese nicht parteipolitisch motiviert handeln, nur weil sie mit Parteimitliedern verheiratet sind. Dies zumindest unterstellte der Erste Stadtrat dem Vorsitzenden des Seniorenbeirats, Kurt Lippert. Nachdem sich die betroffenen Personen zu einem Gespräch getroffen und der Erste hauptamtliche Stadtrat Fehler eingeräumt hatte, konnte der Antrag zurückgezogen werden.

Neue Anträge von Fraktionen

9) Antrag Fraktionen SPD und Grüne: Erhaltung und Weiterführung der Grundschule an der Reformschule Oestrich
Einstimmig angenommen. Leider gibt es derzeit für die erste Klasse der Oestricher Grundschule nicht ausreichend Anmeldungen zur Bildung einer eigenständigen Klasse, weshalb ein gemeinsamer Unterricht von erster und zweiter Klasse erfolgen soll. Im Gegenzug liegen aber eine Reihe von durch das Staatliche Schulamt genehmigten Gestattungsanträgen vor, die einen Besuch in einer Grundschule außerhalb des Oestricher Schulbezirks ermöglichen, so dass potentiell ausreichend Schülerzahlen zur Bildung einer eigenen Schulklasse vorhanden wären. In einer von allen Fraktionen letztlich gemeinsam verabschiedeten Resolution fordern die Stadtverordneten den Erhalt des Grundschulstandortes, eine Mediation der beteiligten Akteure und die Prüfung einer evtl. Übernahme der Grundschule in städtische Trägerschaft. Zudem haben wir für die Zukunft ein Konzept angeregt, wie man bedingt durch den demographischen Wandel mit den absehbar sinkenden Schülerzahlen umgeht.

10) Antrag Fraktionen CDU/FDP: Resolution zur Stadtverordnetenversammlung am 11.06.2012: Erhalt des Grundschulstandortes im Ortsteil Oestrich
Siehe Tagesordnungspunkt 9.

Neue Vorlagen des Magistrats

11) Neufassung der Friedhofsordnung
Einstimmig verwiesen an den Haupt- und Finanzausschuss.

12) Neufassung der Gebührenordnung zur Friedhofsordnung
Einstimmig verwiesen an den Haupt- und Finanzausschuss.

13) Bildung eines gemeinsamen Ordnungsbehördenbezirks
Einstimmig angenommen. Die Stadtverordnetenversammlung in Oestrich-Winkel strebt grundsätzlich einen gemeinsamen Verwaltungs- und Ordnungsbehördenbezirk der Rheingauer Kommunen plus Schlangenbad an. Der Magistrat soll nun in einer Arbeitsgruppe der beteiligten Kommunen ein Konzept erarbeiten, welches die Aufgaben, den Aufbau, die Abrechnungsmodalitäten und den Standort des gemeinsamen Ordnungsbehördenbezirks beinhaltet.

14) Verkauf von städtischen Flächen zur Wiederanlegung von Weinbergsflächen am Kerbesberg, Gemarkung Oestrich, Flur 26
Einstimmig angenommen.

15) Verkauf von städtischen Flächen zur Wiederanlegung von Weinbergsflächen am Kerbesberg, Gemarkung Oestrich, Flur 26
Einstimmig angenommen.

16) Regelung für die Gebührenberechnung von "Gartenwasserzählern", Brauchwasserzählern u.ä.
Einstimmig verwiesen an den Haupt- und Finanzausschuss.

17) Neubesetzung der Personalratsmitglieder in den Betriebskommissionen
Laut Eigenbetriebsgesetzes wählt die Stadtverordnetenversammlung je zwei Mitglieder des Personalrates auf dessen Vorschlag in die Betriebskommission.

Freitag, Juni 08, 2012

Donnerstag, Juni 07, 2012

Diplom-Kaufmann

Sehr geehrter Herr Sinß,
 
ich freue mich Ihnen mitteilen zu dürfen, dass Sie Ihre Diplomarbeit bestanden haben. Beide Gutachter (Professor Heil und Professor Trautmann) haben die Note  xxx  (voll gut) vergeben.

Sie können gerne im Rahmen der Sprechzeiten Einsicht in die Gutachten nehmen.

Sollten noch nicht alle Prüfungsleistungen erbracht sein, benachrichtigen Sie uns bitte, sobald dies der Fall ist. Sind alle Prüfungsleistungen erbracht, bemühen wir uns innerhalb von 6 Wochen Ihr Zeugnis und Ihre Urkunde zu erstellen.

Bitte erkundigen Sie sich vor dem Abholen per Email oder telefonisch, ob Ihre Dokumente auch fertig gestellt sind. Sie können uns aber auch einen DIN A4-Umschlag mit festem Rücken, mit 1,45 € frankiert und an Sie adressiert zukommen lassen. Sie erhalten dann die Zeugnisunterlagen, sobald diese fertig gestellt sind. Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen
Studienbüro/Prüfungsamt des Fachbereichs
Rechts- und Wirtschaftswissenschaften

Dienstag, Juni 05, 2012

Werner Fladung kandidiert als Bürgermeister in Oestrich-Winkel

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, im kommenden Jahr kandidiere ich als Bürgermeister in meiner Heimatstadt Oestrich-Winkel.
Auf den folgenden Seiten können Sie sich ein Bild von mir und meinen politischen Zielen für Oestrich-Winkel machen.
Gerne können Sie mir auch Ihre Ideen und Fragen mitteilen. Ich habe stets ein offenes Ohr für Sie.
Ihr Werner Fladung
(Bürgermeisterkandidat)

   

Zur Person
Werner Fladung, * 25.5.1956, aufgewachsen in Erbach, seit 1991 zu Hause in Winkel
verheiratet, 3 Kinder, katholisch
  • 1975 Abitur an der Rheingauschule, seit 1. 8. 1975 im Dienst des Landes Hessen,
  • bis 2002 im Versorgungsamt Wiesbaden, zuletzt Leiter der DV-Abteilung, seitdem im Hessischen Sozialministerium im Bereich „Internet, Neue Medien, eGovernment“ tätig
  • seit 1976 Mitglied der SPD, seit 2011 Stadtverordneter in Oestrich-Winkel
  • seit 6 Jahren Vorsitzender des Schulelternbeirats an der Rheingauschule,
  • im Vorstand des Ehemaligen- und Fördervereins der Schule,
  • Mitglied in der Geschäftsführung der Solaranlagengesellschaft, die auf dem Dach der Schule eine Gemeinschaftsanlage betreibt
  • Schriftführer beim Rheingauer Kanu-Club in Erbach und
  • seit 22 Jahren Präsident der Fastnachtssitzungen der Erbacher Pfarrgemeinde

Warum diese Kandidatur?

Weil ich glaube, dass ein Kurswechsel im Oestrich-Winkler Rathaus notwendig ist. Die Zeit unter Bürgermeister Weimann hat der Stadt trotz des Ausverkaufs des städtischen Vermögens eine hohe Schuldenlast beschert. Die letzten Haushalte weisen regelmäßig siebenstellige Fehlbeträge auf, mittlerweile beträgt die Schuldenlast annähernd 30 Millionen Euro. Das Angebot des Kommunalen Schutzschirms wird wie eine Auszeichnung gefeiert und ist doch bloß der Beweis, dass man in der Vergangenheit schlecht gewirtschaftet hat.

Nicht zuletzt die Kommunalwahlen haben gezeigt, dass die Menschen in unserer Stadt die Politik der CDU und den von ihr praktizierten Stil nicht mehr wollen.


Die Stadt braucht
  • eine solide Haushaltspolitik
  • mehr Bürgernähe, mehr Beteiligung
  • ein deutliches Bekenntnis zur Energiewende
  • ein ansprechendes Stadtbild, um lebens- und liebenswert zu sein. Oft genügen hier Änderungen im Detail. Es müssen nicht immer Millionenprojekte sein.
  • weitere Maßnahmen als Reaktion auf den demographischen Wandel, für ältere Menschen genauso wie für junge Familien
  • Ideen, wie man den Verkehr so lenkt, dass unvermeidbare Belastungen gerecht verteilt werden und vermeidbare Belastungen verhindert werden
  • einen Bürgermeister, der sich als „erster Bürger“ und als Dienstleister für die Bürger versteht und bereit ist zum Dialog mit allen politischen Kräften.

Diese Punkte sollen, neben weiteren, meine Schwerpunkte als Oestrich-Winkeler Bürgermeister werden.


Wo sehe ich meine Stärken?

Ich bin hier zu Hause und Rheingauer durch und durch, kenne die Landschaft und kenne die Menschen, weiß, wie sie denken und was sie bewegt.

Ich bin im Rheingau und darüber hinaus breit vernetzt.

Im Rahmen meines Berufs habe ich immer gern mit Menschen zu tun gehabt, schon während meiner Ausbildung habe ich eine Büroleitung und damit (Personal-) Verantwortung übernommen. In den Jahren in der Versorgungsverwaltung habe ich viel Projektarbeit auf Landesebene geleistet und mit den unterschiedlichsten Menschen gut zusammengearbeitet, - Amtsleitungen, Kollegen, Personalvertretungen -  darüber aber nie den Kontakt mit denen vernachlässigt, für die die Verwaltung zuständig war: Kriegsverletzte und -hinterbliebene, Menschen mit Behinderungen , aber auch junge Familien.

In  mehr als 30 Jahren in der öffentlichen Verwaltung  habe ich mir ein profundes Wissen darüber angeeignet, wie eine Verwaltung funktioniert. Der Wechsel von der Landes- in die Kommunalverwaltung macht es möglich und geradezu notwendig, alles zu hinterfragen, Alternativen zu diskutieren und neue Wege zu beschreiten.

Schon in meiner Kindheit und Jugend habe ich gelernt, was Dienstleistung heißt. Ich bin in der Bäckerei meiner Eltern aufgewachsen, in der „der Kunde König war“. Und bis heute sehe ich den Bürger, von dessen Steuern die öffentliche Verwaltung lebt, nicht als Bittsteller, sondern als Kunden.

Last but not least: bei den Kommunalwahlen haben die Wähler mich von Listenplatz 25 auf 7 befördert, ohne dass ich vorher politisch in Erscheinung getreten  war. Ich glaube, dass die Menschen keine Parteisoldaten suchen, stattdessen einen Bürgermeister wollen, der seine Verwaltung als Servicezentrum für die Bürger menschlich und mit Fachwissen führt und bereit ist zum Gespräch mit allen politischen Kräften,  vor allem aber mit den Bürgern. Dafür stehe ich und das wird in der Stadt auch so wahrgenommen. 


Etwas Privates noch zum Ende

Sport habe ich immer gern getrieben, 40 Jahre lang Fußball gespielt, anfangs beim SV Erbach, später beim SSV Hattenheim, in den letzten Jahren habe ich das Paddeln auf dem Rhein wieder aufgenommen und fahre gern mit dem Mountainbike  durch die Wälder – im Sommer auch öfter zur Arbeit nach Wiesbaden. Daneben interessiere ich mich – naheliegend für einen Rheingauer – für alles, was mit dem Wein zusammenhängt. Und wenn ich auch sonst nichts verschlinge – bei einem guten Buch kann das schon mal passieren.

Samstag, Juni 02, 2012

Sitzungssozialismus

"The trouble with Socialism is that it takes too many evenings."

- Oscar Wilde (1854-1900), Schriftsteller -

Freitag, Juni 01, 2012

"Die EU und ihre Rolle in der Welt von morgen"

Heute Abend war ich Zuhörer bei der "Stresemann-Gesellschaft" in der Mainzer Staatskanzlei anlässlich der alljährlichen Stresemann-Rede. Dieses Jahr war der ehemalige EU-Kommissar Günter Verheugen Gastredner zum Thema "Die EU und ihre Rolle in der Welt von morgen".
Die Stresemann-Gesellschaft e.V. wurde 1955 gegründet und hat ihren Sitz in Mainz. Ihre Ziele sind das Andenken an den Reichskanzler, Reichsaußenminister und Friedensnobelpreisträger Gustav Stresemann zu pflegen und das Verständnis für Außen- und Europapolitik in Deutschland zu fördern. Mit ausgewählten Veranstaltungen und Projekten fördert die Stresemann-Gesellschaft diese Verständigung im Dialog von Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit.