Dienstag, Juli 31, 2012

Das Anspruchsdenken: Blech oder Edelmetall

Schenkt man den Medienberichten der letzten Tage Glauben, so muss man (vermutlich zu Recht - vor allem aus Sicht der betroffenen Sportlerinnen und Sportler) von einem bisher eher enttäuschenden Verlauf der olympischen Spiele aus deutscher Sicht sprechen. Im Fernsehen, in den Gazetten, vor allem aber auch zu Hause auf den Sofas erheben sich nun aber die heimlichen Experten und suchen nach Antworten und Lösungen - oder teilen einfach nur Kritik aus. Ich selbst ärgere mich im übrigen auch über jede deutsche Niederlage und leide ein wenig mit. Generell aber - da bin ich bei dem TV-Moderator Frank Buschmann - sollte Sportdeutschland sich einmal Gedanken über dieses (erfolgsverwöhnte) Medaillenzählen machen. Einmal abgesehen davon, dass auch vierte, fünfte sechste Plätze oder einfach nur das Übertreffen persönlicher Bestleistungen schon zu respektierende Erfolge sind, hinkt Deutschland in der Förderung der Sport- und Jugendarbeit hinter vielen der großen Nationen hinterher - vor allem in der Breite. Das hat auch damit zu tun, dass sich trotz vorbildlicher Sportförderung (Deutsche Sporthilfe als Schlagwort) in einem Land des Breitensports vieles auf ganz wenige Sportarten fokussiert. Herausragend dabei ist - wie könnte es anders sein - der Fußball, auf den sich Medien wie Sponsoren und damit auch wir Zuschauer gleichermaßen stürzen. Alle vier Jahre rücken dann aber plötzlich schier exotische Sportarten in den Vordergrund und wir interessieren uns dann zwei Wochen lang für Fechten, Bogenschießen oder Kajak und fordern Medaillen von Sportlern ein, deren Namen wir zuvor noch nie gehört und kurze Zeit nach Olympia vermutlich auch schon wieder vergessen haben, während die neue Bundesligasaison startet und wir mit Millionen Zuschauern unserem Lieblingsverein auf der Haupttribüne im Stadion oder abends in der Sportschau die Daumen drücken. Eben erwähnte Rand- und aus Sicht einiger Sportler Feierabendsportarten verschwinden hingegen (leider) wieder sehr schnell in der Versenkung und, wenn sie ihre Leistungen in Turnhallen vor teilweise nicht mal hundert Zuschauern erbringen. Dass das auf Dauer und im Wettbewerb mit anderen Nationen nicht funktionieren kann bzw. zumindest nicht zu dem weit verbreiteten Anspruchdenken in unserem Land passt, leuchtet hoffentlich ein.

Einen weiteren, sicher nicht zu vernachlässigenden "Wettbewerbsnachteil" bringt im übrigen noch Hockey-Bundestrainer Markus Weise im Gespräch mit der FAZ an:
FAZ: "Die neue Bildungspolitik, klagt der Sport, erschwert die Ausbildung von jungen Spielern. Auch im Hockey?"
Weise: "Ich habe mehr als 90 Prozent Studenten in der Mannschaft. Wer nicht studiert, muss schon einen Job oder einen Arbeitgeber haben, der sehr sportorientiert ist, sonst bekommst man die Trainingsumfänge nicht auf die Reihe. Deshalb tun uns die Bachelor-Studiengänge sehr weh, weil die viel verschulter und unflexibler sind. G8 ist auf Dauer auch schlecht für uns, und deshalb kommt momentan durch die Bildungspolitik viel Druck auf unser System. Unser Altersschnitt bei der WM war schon nur noch knapp 23 Jahre, und die Mannschaften werden wohl kaum älter werden in Zukunft, weil die Spieler immer früher mit dem Studium fertig werden. Der 27 Jahre alte ausgereifte und erfahrene Topspieler wird eine Seltenheit werden. Langfristig bedeutet diese Bildungspolitik für alle „kleinen“ Sportarten, die von Studenten leben, eine Ausdünnung."

Bleiben wir also weiterhin kritisch, werden wir aber auch ein wenig selbstkritischer und freuen uns auch die nächsten Tage einfach über Spitzensport der Extraklasse in London mit hoffentlich herausragenden Leistungen "unserer" Jungs und Mädels.

Montag, Juli 30, 2012

Wohin entwickeln sich die USA – Entwicklungen in Gesellschaft und Politik: 15 Fragen und 15 Antworten.

Karsten D. Voigt, ehemaliger Juso-Bundesvorsitzender, Bundestagsabgeordneter und derzeit Mitglied der Kommission für Internationale Beziehungen beim SPD-Parteivorstand, geht in seinem Gastbeitrag anhand von 15 Fragen und 15 Antworten auf mögliche Entwicklungen der USA in Gesellschaft und Politik ein, die vor allem angesichts der bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen aufschlussreich sein und zu Diskussionen anregen können.


1. Wie reagieren Amerikaner auf die Ungleichheit von Einkommen und Vermögen?

Nicht nur in den USA sondern auch in Europa und in Deutschland sind die Unterschiede zwischen den Einkommen und Vermögen in den letzten Jahrzehnten immer größer geworden. Aber es stimmt: Diese Unterschiede sind in den USA noch dramatischer als bei uns. Diese negative Entwicklung hat sich in den letzten Jahren noch einmal beschleunigt. Hinzu kommt, dass die Armen heute ärmer als vor wenigen Jahren sind, während sich gleichzeitig der Reichtum der obersten Einkommensgruppen weiter vermehrt hat.
Es hat sich nicht nur die Armut derjenigen Bevölkerungsgruppen vergrößert, die bisher schon arm waren: Die Armut hat auch neue Bevölkerungsgruppen erfasst, die sich bisher zur Mittelschicht zählten, darunter auch viele Weiße. Das ist eine neue Entwicklung.
Gleichzeitig wird es immer schwieriger durch eigene Leistung den gesellschaftlichen Aufstieg zu schaffen. Dies untergräbt den Glauben an den amerikanischen Traum.
Doch wie reagieren die amerikanischen Bürger auf diese Entwicklungen? Sie waren ja in der Vergangenheit anders als die Mehrheit der Europäer immer wieder bereit, ein hohes Maß an sozialer Ungleichheit und eine im Vergleich zu Europa nur geringe soziale Absicherung in Kauf zu nehmen, wenn sie gleichzeitig den amerikanischen Traum von der Aufstiegsmöglichkeit für jeden Tüchtigen weiter träumen konnten.
Die Antwort auf diese für die Zukunft der politischen Kultur in den USA zentrale Frage kann heute noch nicht eindeutig gegeben werden: Die hohe Arbeitslosigkeit, die sich verschlechternden Lebensperspektiven für große Teile der Mittelschicht und die großen Einkommens- und Vermögensunterschiede spielen in dem gegenwärtigen Wahlkampf eine große Rolle. Aber während insbesondere die Anhänger der Demokraten mehr soziale Gerechtigkeit und eine größere steuerliche Belastung der hohen Einkommen und Vermögen fordern, sprechen sich erhebliche Teile insbesondere der weißen Mittelschicht vehement gegen höhere Steuern und sogar für Einschränkungen bei den sozialen Leistungen aus. Ihre Aggressivität richtet sich nicht gegen die Reichen sondern gegen die Armen und gegen eine größere Rolle des Staates.
Diese Reaktion ist zwar für viele Europäer unverständlich. Sie entspricht aber durchaus amerikanischen Traditionen. Je nachdem, welche Antwort die Amerikaner auf die gegenwärtige wirtschaftliche und soziale Krise geben, werden sie den europäischen Gesellschaften ähnlicher oder sich weiter von ihnen entfernen. Deshalb ist auch nicht überraschend, dass die republikanischen Kandidaten in diesem Wahljahr Europa als Schreckensbild im Kampf gegen ihre demokratischen Konkurrenten benutzen.

2 . Verändert die Einwanderung aus Lateinamerika die Politik der USA?

Die Einwanderung aus Lateinamerika und Asien verändern die USA. Spanisch ist in großen Teilen des Südens und in zahlreichen Städten zur zweiten Landessprache geworden. Die Rücksicht auf die Emigranten aus Kuba beeinflusst die amerikanische Außenpolitik gegenüber diesem Land. Bei diesem und bei anderen Themen aber bestehen große Unterschiede zwischen den Einwanderern aus Lateinamerika. Sogar religiös gibt es größere Unterschiede als wir Europäer es gemeinhin annehmen: Zwar ist die Mehrheit der Lateinamerikaner Anhänger des Katholizismus. Eine nicht unerhebliche Minderheit aber ist zu protestantischen Sekten konvertiert. Auch sind viele der Einwanderer inzwischen zweisprachig oder beherrschen die Sprache ihrer Vorfahren nur noch unvollkommen.
Die Einwanderung aus Lateinamerika wird sicherlich zu einer allmählichen Lockerung der kulturellen Bande zwischen Europa und den USA führen. Sie schlägt sich heute bereits in der sinkenden Nachfrage nach Deutsch und Französisch nieder. Aber die verstärkte Orientierung der USA in Richtung Pazifik ist nicht Ergebnis der sich verändernden Herkunft der Einwanderer sondern der sich verändernden wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen.

3. Verändert sich die politische Kultur der USA?

In den 50ern und 60ern galten die deutschen Parteien als ideologisch und das deutsche Parteiensystem als polarisiert. Demgegenüber galten die amerikanischen Politiker als pragmatisch und kompromissfähig. Dies hat sich völlig verändert. Die Ideologisierung und Polarisierung in der amerikanischen Politik hat zugenommen. Dies ist keine kurzfristige Erscheinung. Sie ist das Ergebnis von längerfristigen Entwicklungen. Sie wird auch nicht mit dem gegenwärtigen Wahlkampf enden, und sie wird die Handlungsfähigkeit des amerikanischen politischen Systems auch in den kommenden Jahren beeinträchtigen. Die parteiübergreifende Zusammenarbeit wird zwar immer wieder gefordert, wird in der politischen Praxis aber immer seltener praktiziert. Insbesondere in den Politikbereichen, in denen der Einfluss des Kongresses erheblich ist – und das ist bei allen Haushaltsentscheidungen und im Bereich der Innenpolitik der Fall – wird es sehr schwer bleiben, längst überfällige Reformen durchzusetzen

4. Gibt es in den USA Mehrheiten für notwendige Reformen?

Das amerikanische Gesundheitssystem ist zugleich teurer und weniger effizient als das deutsche System. Ebenso wie in Deutschland geht es in den USA darum, die verschiedenen sozialen Sicherungssysteme  angesichts der zunehmenden Alterung der Bevölkerung zu reformieren. Allerdings ist in diesem Zusammenhang die voraussichtliche demografische Entwicklung in den USA erheblich günstiger als bei uns. Trotzdem ist die Herausforderung enorm. Sie ist angesichts der potentiellen Leistungsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft und Gesellschaft zu bewältigen. Auch ein Abbau der Schulden könnte eingeleitet werden, wenn – und um dieses „Wenn“ geht es - das politische System zur Durchsetzung der dafür nötigen Reformen in der Lage ist.

5. Welche Rolle spielen populistische Strömungen heute in den USA?

In der Geschichte der USA hat es immer wieder starke rechte und linke populistische Strömungen gegeben. Viele in Europa haben vergessen, dass es in der Geschichte der USA auch immer wieder Perioden einer vermehrten politisch motivierten Gewalttätigkeit gegeben hat. Ob es in Zukunft eine Periode mit einer größeren politischen Gewalttätigkeit geben wird, vermag ich nicht vorauszusagen, weil hier in der Vergangenheit häufig kleinere Anlässe zu landesweiten größeren Auseinandersetzungen geführt haben.
Ich bin mir aber relativ sicher, dass in den vor uns liegenden Jahren der politische Populismus in den USA eher zu- als abnehmen wird. Das gilt insbesondere – jedoch nicht ausschließlich – für die rechte Seite des politischen Spektrums. Dort hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten der Populismus immer mehr an Boden gewonnen. Zwar entstammen die Familie Bush und Romney aus der reichen Elite der USA. Gleichzeitig aber haben rechts-populistische Strömungen innerhalb der Republikanischen Partei immer mehr an Boden gewonnen. Kein republikanischer Kandidat kann mehr aufgestellt werden, wenn er nicht die Unterstützung erhält oder zumindest von diesen Gruppen geduldet wird.
Diese populistischen Strömungen werden ihren Namen und ihre Organisationsform ändern. Diese ständige Erneuerung ihrer Erscheinungsform ist Ausdruck der Kontinuität ihres Wesens.

6. Wie entwickelt sich die Rolle der USA als militärische Weltmacht?

Die militärische Macht ist nur einer der Faktoren, die die USA zur führenden Weltmacht  machen. Ihre ökonomische Kraft und die politische, kulturelle und gesellschaftliche Attraktivität sind weitere Faktoren. Weniger der Abstieg der USA als der Aufstieg neuer Mächte werden die Rolle der USA als Weltmacht in den kommenden Jahren und Jahrzehnten begrenzen und – relativ gesehen – verringern. Wenn die USA ihre wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit nicht verbessern, wird sich der wirtschaftliche Aufstieg Chinas noch spürbarer in einer Verschiebung der politischen Machtverhältnisse niederschlagen. Die USA bleiben auf absehbare Zeit die einzige militärische Weltmacht.
In Asien aber könnten die wachsenden militärischen Fähigkeiten der chinesischen Flotte die Glaubwürdigkeit amerikanischer Sicherheitsgarantien beeinträchtigen. Dies ist der entscheidende Grund für die Verlagerung militärischer Potentiale der USA von Europa nach Asien. Gleichzeitig müssen die USA ihre Militärausgaben verringern, weil sonst überhaupt keine Chancen bestehen, ihr Haushaltsdefizit zu verringern. Aus diesen wirtschaftlichen und militärischen Gründen sind die USA stärker als in der Vergangenheit auf Partner angewiesen. Diese wird sie aber nur gewinnen, wenn sie bereit ist auch Rücksicht auf deren Interessen zu nehmen. Insbesondere vielen konservativen Amerikanern fällt es schwer, diese Veränderungen in den Rahmenbedingungen der amerikanischen Weltmachtrolle zu akzeptieren.

7. Wie entwickelt sich das Verhältnis der USA zur NATO?

In den USA überwiegt ein funktionales Verhältnis zur NATO, zur UNO und zu anderen internationalen Organisationen und Vereinbarungen: Ihnen wird nicht ein Wert an sich zugeschrieben, sondern sie werden in ihrem Wert danach beurteilt, ob und wie sie amerikanischen Interessen und Zielen dienen. Die NATO wird der wichtigste institutionelle Ausdruck der transatlantischen Beziehungen bleiben. Sie wird aber in den Augen der USA an Bedeutung verlieren, während gleichzeitig die Bedeutung der Pazifik-Flotte in den Augen der USA zunimmt.

8. Welche Rolle spielen wirtschaftliche Probleme für die Weltmachtrolle der USA?

Die USA haben immer noch den Vorteil, dass der Währungsraum des Dollar mit einer im Vergleich zum Euro-Raum vergleichsweise glaubwürdigeren politischen und finanziellen Handlungsfähigkeit verbunden ist. Trotzdem drohen die wirtschaftlichen Probleme der USA, wenn deren Lösung immer wieder verschoben wird, den Einfluss der USA und die USA als Faktor der wirtschaftlichen Stabilität in der Welt zu untergraben.

9. Bleiben die USA vom Import von Öl und Gas abhängig?

Aufgrund der Ausbeutung insbesondere von Schiefergasvorkommen werden die USA in den nächsten Jahren nicht mehr auf den Import von Gas angewiesen sein. Das wird einen erheblichen Einfluss auf die Gaspreise weltweit haben. Die USA könnte sich aufgrund der großen Ölvorkommen in Nordamerika von Importen außerhalb ihrer Region unabhängig machen, wenn sie den Energieverbrauch pro Kopf der Bevölkerung auf das Niveau Deutschlands reduzieren würde. Das ist technisch machbar, politisch jedoch nicht durchsetzbar. Doch Präsident Obama will im Gegensatz zu seinen konservativen Konkurrenten zumindest Schritte in diese Richtung gehen. Aber auf die Atomkraft wird auch er nicht verzichten wollen.

10. Welche Rolle wird die Finanzbranche in Zukunft spielen?

Die Finanzbranche wird bedeutsam bleiben. Nach der Finanzkrise aber wird sie nicht so schnell ihre frühere Bedeutung und frühere Zuwachsraten zurück gewinnen. Gleichzeitig entwickeln sich neue finanzielle Zentren in Asien und möglicherweise auch im Nahen Osten. Den USA wird es leichter fallen sich auf diese neuen Entwicklungen einzustellen als Großbritannien mit seinem Finanzplatz London.

11. Bleibt der Dollmar die Leitwährung der Welt?

Es zeichnet sich schon seit einer ganzen Reihe von Jahren ab, dass der Dollar zwar noch für eine längere Zeit die wichtigste Leitwährung bleibt, zugleich aber seine Rolle als einzige Leitwährung verliert. Trotz der gegenwärtigen Krisen im Euro-Raum rechne ich damit, dass die Rolle des Euro mit den Jahren zunehmen wird. Er wird den Dollar als Leitwährung nicht ersetzen, wohl aber ergänzen. Zugleich wird die chinesische Währung schrittweise in die Rolle einer konvertierbaren Leitwährung hineinwachsen. Die Rolle der japanischen und der britischen Währung wird sich wohl nicht sehr verändern, vielleicht sich etwas verringern. Dieser neuen Unübersichtlichkeit im Währungsbereich entspricht eine neue Vielfalt und Unübersichtlichkeit der globalen und regionalen Machtverhältnisse.

12. Verändert sich das Machtverhältnis zwischen den USA und China?

Das Machtverhältnis zwischen den USA und China hat sich bereits verändert und wird sich weiter verändern. Die Änderung dieser Machtverhältnisse macht sich insbesondere in Asien bemerkbar, ist aber nicht auf Asien beschränkt.

13. Welche Rolle spielen Konflikte und Spannungen in Asien?

Die Möglichkeit zunehmender Spannungen und Konflikte im asiatischen Raum ist das wichtigste Thema unter den Fachleuten innerhalb und außerhalb der amerikanischen Regierung. Wirtschaftliche Konflikte sind wahrscheinlich, militärische Konflikte sind nicht unmöglich, wohl aber vermeidbar. Wenn man militärische Konflikte vermeiden will, muss man China, Indien, Japan und andere asiatische Mächte vor Fehleinschätzungen der Lage und der Reaktion anderer Akteure bewahren. Diesem Ziel dient die zunehmende Kommunikation zwischen den relevanten Akteuren. Zugleich versuchen die USA China – wie bei den Gesprächen mit Nord-Korea – als Macht in die Verantwortung bei Problemlösungen einzubinden.
Gleichzeitig aber fehlt es in Asien – anders als in Europa – an wirklich funktionsfähigen regionalen Institutionen, die die Einhegung und Lösung von Konflikten erleichtern würden. Auch sind zahlreiche Konflikte in Asien immer noch ungelöst. Viele von ihnen könnten zu größeren militärischen Konflikten eskalieren. Die gegenwärtigen Führungen in den USA, in China und auch in Japan sind sich dieser Risiken bewusst. Es ist aber keineswegs sicher, dass diese so bleibt. Wir Europäer können diese Konflikte in Asien nur marginal beeinflussen. Wir haben aber ein großes Interesse an der Bereitschaft und Fähigkeit der relevanten Akteure an einem rationalen und kooperativen Verhalten.

14. Sind die USA in Zukunft vor allem eine pazifische Macht?

Die USA sind sowohl eine atlantische, wie auch eine pazifische Macht. Nach dem Ende des Kalten Krieges verschiebt sich das wirtschaftliche und politische Interesse der USA Richtung Pazifik, ohne dass die USA aufhören eine atlantische Macht zu sein. Europa wird in den USA – anders als im vergangenen Jahrhundert – nicht mehr als Ursache von weltweiten Konflikten betrachtet, wird aber als Partner bei der Lösung von Konflikten am Rande Europas und außerhalb Europas immer mehr gefordert werden. Ob wir diesen Anforderungen entsprechen können oder wollen, wird aus der Sicht der USA über unsere Relevanz entscheiden.
Deutschland und Europa können nicht überall relevant sein. Es entspricht auch gar nicht deutschen Interessen überall relevant sein zu wollen. Deshalb müssen wir in einer öffentlichen Debatte entscheiden, wo wir relevant sein wollen und können. Anders als während des Kalten Krieges ist diese Frage keineswegs immer eindeutig zu beantworten. Deshalb zwingen uns die Veränderungen in der Welt und in den USA zu einer längst überfälligen Debatte über unsere künftigen außen- und sicherheitspolitischen Interessen und Prioritäten. Meiner Meinung nach gehören hierzu auch Änderungen in der Debattenkultur und in den Entscheidungsprozessen  in der Außenpolitik.

15. Bleiben die USA für uns der wichtigste Partner?

Die USA bleiben für uns der wichtigste Partner außerhalb der Europäischen Union. Ob die EU von den USA als gleichberechtigter Partner eingeschätzt und respektiert wird, hängt nicht von den USA sondern von den Europäern selber ab. Auch für Europa wird Asien wichtiger. Doch anders als die USA sind wir in Asien keine sicherheitspolitische Garantiemacht.
Wir müssen lernen auch in der Sicherheitspolitik global zu denken. Ebenso wie die USA werden wir wirtschaftspolitisch auch global handeln. Außenpolitisch wird die Rolle der EU regional wichtiger werden. Global wird die EU hoffentlich beginnen ein global respektierter und wirksamer Akteur zu werden. Sicherheits- und verteidigungspolitisch wird sich die EU auch im Jahre 2030 wohl überwiegend regional engagieren. Sie sollte verteidigungspolitisch handlungsfähig werden, doch in diesem Bereich keineswegs eine Ebenbürtigkeit mit den USA anstreben. 

Sonntag, Juli 29, 2012

Olympia 2.0

Die Olympischen Spiele sind seit gestern im vollem Gange und erstmals kann man den Athleten durch Internet und allen voran den Neuen Medien rund um Web 2.0 & Co. so nah sein wie noch nie zuvor. ARD und ZDF bieten parallel gleich mehrer Livestreams an, auf denen fernab der im TV gezeigten und meist eher bekannteren oder zusammengefassten Sportarten auch Nischensportarten ausführlich begutachtet werden können. Die beinahe schon obligatorischen Twitter-Accounts (ZDF) bzw. Blogs (ARD) dürfen natürlich auch nicht fehlen. Auch eine Vielzahl der deutschen Sportler präsentieren sich auf Facebook und Twitter mit teils sehr persönlichen Eindrücken der Olympischen Spiele. Der DOSB hat (trotz teils sehr restriktiver Vorgaben für die Athleten im Umgang mit Presse und Öffentlichkeit) seine Sportler vor den Spielen ausdrücklich ermutigt, möglichst viele Eindrücke, Fotos und Videos hochzuladen, um die Spiele aus ihrer Perspektive zu zeigen, denn "selbst wenn es sich nicht um bahnbrechende Neuigkeiten handelt, interessieren deine Fans sich stets für das, was du zu sagen hast". Laut Frankfurter Rundschau haben derzeit rund 120 der 392 deutschen Olympioniken eine eigene Facebook-Seite, etwa 100 ein eigenes Twitter-Profil. Der DOSB bietet zudem sowohl auf Twitter wie auch Facebook Sammelseiten und unter www.deutsche-olympiamannschaft.de einen Hub an. 

Wer sich für andere Nationen oder für bestimmte Sportarten interessiert, kann am besten über die Sammelseite hub.olympic.org des Internationalen Olympischen Komitees suchen, wo die offiziellen Twitter- und Facebook-Profile gesammelt sind. 

In diesem Sinne: Mögen die Spiele beginnen

Samstag, Juli 28, 2012

Das klügere Geschlecht

"Ein jeder will gern ein verständiges Weib haben, aber die Mittel des Verstandes will man ihnen nicht zulassen."

- Dorothea Christiane Erxleben (1715-1762), erste deutsche Ärztin -

Freitag, Juli 27, 2012

NPD-Sommertour verhageln

Derzeit reist die NPD im Rahmen ihrer sogenannten "Deutschlandtour" mit einem LKW durchs Land und möchte unter einem womöglich en vogue zu sein scheinenden europakritischen Deckmantel ihre tatsächlich menschenfeindlichen und -verachtenden Thesen unters Volk bringen. Dumm nur, dass die in der Regel an zwei Händen abzuzählenden, leicht übergewichtigen und heute zudem auch noch ordentlich durchgeschwitzten Nazis keinen Widerhall in der Bevölkerung finden, auch weil ihnen in der gesamten Republik entschiedener Widerstand entgegen schlägt - so auch heute in Wiesbaden (und später in Frankfurt).

Tochter zu ihrer Mutter: "Fahren die (Anm.: NPD) jetzt weeeg?"
Mutter zu Tochter: "Ja, die fahren jetzt."
Tochter: "JAAA!"


Jusos: Der NPD die Sommertour verhageln
Die Jusos Hessen-Süd und die Jusos Wiesbaden unterstützen den Aufruf des „Wiesbadener Bündnis für Demokratie“ und rufen alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, am Freitag, den 27. Juli ab 10.30 Uhr in den Reisinger Anlagen an der Kundgebung gegen die NPD teilzunehmen, die dort Station im Rahmen ihrer sogenannten Deutschlandtour macht. Die NPD ist derzeit mit ihren fremdenfeindlichen und europakritischen Thesen in deutschen Großstädten unterwegs, am Freitag soll der NPD-Lastwagen schließlich in der Landeshauptstadt vor dem Hauptbahnhof Halt machen.
„In einer toleranten und weltoffenen Gesellschaft ist für Fremdenhass und Intoleranz kein Platz. Wir wollen der NPD ihre Sommertour verhageln und setzen uns weiterhin für ein rasches Verbot dieser menschenfeindlichen Partei ein. Wir Jusos werden am Freitag die Werte unserer Gesellschaft verteidigen und fordern alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, diesem Aufruf zu folgen. Fremdenhass hat keinen Platz in unserer Gesellschaft – nicht in Wiesbaden und auch sonst nirgendwo", so Carsten Sinß, Vorsitzender der Jusos Hessen-Süd, und Sven Scharf, Vorsitzender der Jusos Wiesbaden.

Donnerstag, Juli 26, 2012

Hitzeopfer

Deutschland hat jetzt endlich seinen Sommer...und auch gleich die ersten Opfer zu beklagen.
Betreff: Ausfall des Online-Kataloges und des Ausleihsystems
Die Klimaanlage in unserem Serverraum ist wegen der großen Hitze kollabiert. In der Folge sind davon auch unsere Server betroffen, so dass unser Ausleihsystem (Entleihung und Rücknahme von Medien) sowie unser Online-Katalog (Recherchieren, Bestellungen, Vormerkungen, etc.) nicht zur Verfügung stehen.

Es wird intensiv an der Wiederherstellung gearbeitet, da es sich aber um ein gravierendes Problem handelt, können wir z.Zt. nicht absehen, wie lange diese Dienste ausfallen werden.
Über unsere Homepage (http://www.ub.uni-mainz.de/)  und unseren Blog (http://www.blogs.uni-mainz.de/ub/) werden wir Sie über die Wiederherstellung unserer Systeme informieren.
Zum Schluss noch ein kleiner Tipp: unseren Blog können Sie auch als RSS-Feed abonnieren. So erhalten Sie künftig alle aktuellen Informationen aus der UB.
Wir danken für Ihr Verständnis
Ihre UB

Mittwoch, Juli 25, 2012

Land ohne Wahlrecht

Allen Unkenrufen zum Trotz steht spätestens seit heute fest: Schwarz-Gelb wird bis zum bitteren Ende im Herbst 2013 durchhalten - und zwar durchhalten müssen. Denn mit dem heutigen Urteil des Bundesverfassungsgerichts, welches nun zum wiederholten Mal das Bundestagswahlrecht  kassiert hat, hat unser Land kein grundgesetzkonformes Wahlrecht. Dass CDU und FDP aber vorsätzlich und wider besseren Wissens, nur auf den eigenen Vorteil bedacht, ein verfassungswidriges Wahlrecht durchsetzen und dieses erwartungsgemäß vom Bundesverfassungsgericht kassieren lassen, nur um nun ein Argument gegen Neuwahlen zu haben, macht diese offensichtlichen Verfassungsfeinde eigentlich schon zu einem Fall für den Verfassungsschutz...

Montag, Juli 23, 2012

Die besten Wahlslogans - heute: CSU

Seit dem Bestehen der Bundesrepublik hat es so manch eine harte Auseinandersetzung im demokratischen Wettbewerb um die Gunst der Wähler gegeben. Für echte Duftmarken haben dabei auch die Wahlslogans gesorgt. Ich werde in der nächsten Zeit einmal meine persönlichen Favoriten der größeren deutschen Parteien hier veröffentlichen.

Heute: CSU

1949
  • 1947 Hunger Not Elend. 1949 Vorwärts Aufwärts. Der Erfolg der CSU
  • Die SPD hat abgewirtschaftet!
  • Heimatvertriebene! Sowjetzonenflüchtlinge! Wählt Adenauer! Wählt Christlich-Soziale Union
  • Ich bin Christ, bin Bayer und Deutscher. Darum wähle ich CSU
  • Kampf dem Sozialismus.
  • Nie wieder Zwangswirtschaft!
  • Rettet Bayern vor dem Sozialisierungskampf

1953
  • Alle Wege des Marxismus führen nach Moskau! Darum CSU
  • In Frieden für alle das tägliche Brot CSU
  • Wähle richtig! Wähle CDU/CSU. Die Partei des gesunden Menschenverstandes

1957
  • Also Nein zur SPD deshalb Ja zur CSU
  • Es kommt nichts besseres nach! Darum wieder CSU Liste 1
  • Wohlstand für alle. Einheit für Deutschland. Frieden in der Welt. CSU

1961
  • Nicht Worte wiegen – nur Leistung zählt!
  • Setzt Deutschland nicht aufs Spiel

1965
  • Bayern Deutschland Europa CSU
  • Sicherheit, Geborgenheit...
  • Wir alle haben unser zerstörtes Haus wieder aufgebaut und weithin in Ordnung
  • gebracht. in diesem wohlbestellten Haus können auch wir Frauen uns sicher und geborgen fühlen

1969
  • Politik von Politikern
  • Strauß macht die DM hart
  • Unsere Mannschaft: Männer, auf die man sich verlassen kann

1972
  • Bayern für Deutschland CSU
  • Der Wähler hat nun das Wort – und stellen fest im nu, die SPD – die hat versagt – wir wählen CSU
  • Die Enteignung ist bei der SPD einkalkuliert!
  • Die Entscheidung für Deutschland fällt in Bayern
  • Kaputt. Die SPD-Regierung hat abgewirtschaftet
  • Nochmal drei solche Hundejahre halt ich nicht aus
  • SPD = Inflation
  • Statt weltfremde SPD-„Friedenspolitik“ wähle friedenswahrende CSU-Sicherheitspolitik

1976
  • 1976 Deutschland vor der Entscheidung Freiheit oder Sozialismus
  • Darum geht es am 3. Oktober: Freiheit oder Sozialismus. Wir sind die Partei der Freiheit
  • Keine linken Versprechungen: Jetzt zählt nur die Wahrheit!
  • Rot ist gut für die Liebe, nicht für die Zukunft
  • Sommer 76. Wir gehen jetzt, die andern im Oktober baden!
  • Union sorgt: Rentner erhalten mehr Geld

1980
  • Damit ein Bayer Kanzler wird
  • Die Entscheidung für Deutschland fällt in Bayern CSU
  • Endstation Volksfront
  • SPD/FDP: Der Weg nach unten. Urteilen Sie selbst!

1983
  • Bayern für Deutschland
  • Enthüllungen über den roten Bankrott
  • Nach 13 Jahren Sozialismus
  • So buchstabiert man SPD: S = Schulden P = Pleiten D = Dauerarbeitslosigkeit
  • Die rote Inflation ist gestoppt
  • Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland

1990
  • Bayerisch wählen CSU
  • Deutschland braucht Freiheit statt Sozialismus
  • Schluß mit dem Asylmißbrauch

1994
  • Am Sonntag geht’s um Deutschland
  • Freiheit statt Volksfront
  • Karl Marx: Ich komme wieder! Über Sachsen-Anhalt. Dank SPD & PDS
  • Keine Macht den PDS-Kommunisten. Beide Stimmen für die CSU
  • Leistung statt roter Sprüche
  • Nein zu Rot-Grün! Keine Freigabe von Heroin.
  • SPD/PDS. Stoppt die Volksfront!

1998
  • Mit Bayern gewinnt Deutschland
  • Schröder-Land ist abgebrannt...Deutschland verdient Besseres!
  • SPD: Politik gegen Deutschland. CSU: Politik für Bayern!
  • Ticket ins rot/grüne Chaos
  • Vorsicht Falle: Falscher Fünfziger im Umlauf!
  • Wer Rot wählt, bekommt Die Grünen

2002
  • Cousinen gesucht!
  • Haben wir das verdient?
  • Mensch ärgert sich!
  • Sozial ist, was Arbeit schafft.
  • SPD Ätsch, verarscht!
  • Wenn mein Freund so viele Versprechen brechen würde wie der Kanzler, würde ich ihn rauswerfen

2005
  • Ich bin der Kanzler. Holt mich hier raus!
  • Klarer Kurs statt Rot-Rot-Grün. Jetzt: CSU
  • Schröders Uhr ist abgelaufen.
  • Zukunftsfeind Schröder.

2009
  • Ganz einfach: Wer ein starkes Bayern will, wählt CSU
  • Zwei, die zusammengehören: Erst- und Zweitstimme CSU.

Quelle: Hanns Seidel Stiftung, Archiv für Christlich-Soziale Politik: „Wahlslogans der CSU für die Bundestagswahlen 1949-2009"

Sonntag, Juli 22, 2012

Ein Jahr nach Utøya

"Unsere Antwort auf Gewalt ist noch mehr Demokratie, noch mehr Menschlichkeit, aber nicht noch mehr Naivität."

- Jens Stoltenberg, Ministerpräsident von Norwegen -
 

 

Samstag, Juli 21, 2012

Wellensittich entflogen. Farbe egal.

Als passionierter Berlin-Fan erfreue ich mich seit geraumer Zeit an den „Notes of Berlin“. Dieser Blog tut eigentlich nichts anderes, als mit seinen Beiträgen eine Form der alltäglichen Berliner Kommunikationskultur darzustellen. Denn wer kennt sie nicht, diese kleinen, teils informativen, teils nichtssagenden, teils sympathischen, teils innovativen und teils amüsanten Nachrichten von Mensch zu Mensch an Bushaltestellen, Straßenlaternen, Haustüren etc., kurz: eine simple Zettelbotschaft. Der Autor Joab Nist hat nun die besten dieser „Kunstwerke“ in Druckform gegossen und verspricht zu Recht: „Nichts ist lustiger als die Wirklichkeit“. In den Händen hält man dann auch – so viel sei garantiert – 130 der mit Sicherheit kurzweiligsten Seiten in Händen, bei dem das Auge ein ums andere Mal nicht trocken bleibt, wenn Menschen ihrer Umgebung etwa mitzuteilen versuchen, welche Konsequenzen ein Fahrradklau haben kann/soll, warum man seine Notdurft (klein wie groß) doch bitte an den dafür vorgesehen Orten zu verrichten habe oder wie zwei verlorene Herzen versuchen, sich in der größten deutschen Stadt wiederzusehen. Schön ist, dass der Autor sich die Mühe macht, zu einzelnen „Notes“ auch die Geschichte dahinter zu erzählen. Wer Berlin mag, ganz sicher aber, wer an das (ungewollt) humorvolle Talent der Menschen glaubt, welches auch in ihrem Nachbar gegenüber stecken könnte, hat mit Joab Nists „Wellensittich entflogen. Farbe egal.“ nun eine absolute Lesepflicht.

Donnerstag, Juli 19, 2012

Falsche Zielgruppe

Es geht halt einfach mal überhaupt gar nicht, dass Greanpeace bei mir (!) anruft, um mich nach 12 Jahren Kassendienst für Anti-Shell-Kampagnen anzuwerben. Sorry Jungs, aber da müsst ihr euch jemand anderes suchen, der sich wegen ein paar Bohrlöchern im Eis an Zapfsäulen kettet!
Mein Gegenvorschlag, stattdessen irgendwelche Bohrinseln von der Konkurrenz zu kapern stieß dann auch auf keine Gegenliebe - wie inkonsequent...


Mittwoch, Juli 18, 2012

Menschenwürde

"Die Menschenwürde ist migrationspolitisch nicht zu relativieren."

- BVerfGE vom 18.07.2012 -

Dienstag, Juli 17, 2012

"Fast verheiratet"

Der Titel verrät schon, dass sich hinter diesem Film nicht die typische 08/15-Liebeskomödie a la verliebt-verlobt-verheiratet verbirgt, die man schon des öfteren in den unterschiedlichsten Facetten, aber doch letzten Endes gleichen Storyverlauf auf der Leinwand begutachten konnte. „Fast (!) verheiratet“ schreibt eine andere Geschichte: Gut ein Jahr nachdem sich Tom (Jason Segel) und Violet (Emily Blunt) auf einer Sylvesterparty kennen- und liebengelernt haben, macht er (als Bunny verkleidet) ihr (als Prinzessin Diana verkleidet) einen Heiratsantrag, dem sie nach kleineren (amüsanten) Unwägbarkeiten zusagt. Beruflich stehen beide ebenfalls vor einer vielversprechenden Laufbahn, er als Koch in einem erfolgreichen Restaurant in San Franciso, sie als frischgebackene Akademikerin im Bereich Psychologie, so dass einem Happy End eigentlich nichts mehr im Wege zu stehen scheint. Ein Jobangebot für Violet an der Universität Michigan sorgt allerdings dafür, dass Tom seine Berufspläne hintan stellt und mit ihr kommt und eine Beförderung zum Küchenchef ausschlägt. Da es sich nur um eine vermeintlich befristete Zeit handelt, beschließen beide auf die Hochzeit erst einmal zu verzichten und so viel sei an dieser Stelle verraten: Es wird nicht die einzige Verschiebung sein – sehr zum Leidwesen der näheren Angehörigen, die allesamt nach und nach dahin zu scheiden drohen. In der Provinz angekommen entwickelt sich zwar für Violet alles prächtig, doch Tom findet keinen adäquaten Job und kommt sich bald ziemlich verloren und überflüssig vor mit Folgen für dessen inneres Gemüt und äußeres Erscheinungsbild, dass sich letzten Endes auch negativ auf die Beziehung der beiden auswirkt. Der zum Fakultäts-Anhängsel seiner Verlobten degradierte findet in Ann Arbor kein vernünftiges Restaurant und heuert schließlich beim (real existierenden) Fast-Food-Laden "Zingerman's" an, wo er unter der Ägide des Gurkenfetischisten Tarquin (Brian Posehn) koschere Sandwiches belegt. 

Dass es nicht bei dem geplanten Aufschub bleibt, lässt wie eingangs erwähnt bereits der Titel (im Original: „The Five-Year Engagement“) erahnen. Man kann auch – trotz Jason Segel, bekannt aus der Sitcom „How I met your mother“ – nicht von einer klassischen Komödie sprechen, denn dieser Film zeichnet tragikomisch eine langsam in die Brüche gehende  Beziehung mit mindestens so vielen traurigen wie makaberen oder komischen Momenten mit viel Situationskomik.

Während Tom immer wunderlicher wird, sich einen der schlimmstvorstellbaren Bärte der Filmgeschichte wachsen lässt, Met in der Badewanne braut und auch zu Hause gerne mal in dem eingangs erwähnten, inzwischen aber versifften Bunny-Kostüm herumläuft, treibt Violet ihre akademische Karriere voran und fühlt sich immer stärker zu ihrem Professor und Mentor (Rhys Ifans) hingezogen.

Nachdem Segel gerade erst erfolgreich und mit viel Leidenschaft die von ihm geliebten „Muppets“ reanimierte, stellt „Fast verheiratet“ seine erste relevante Hauptrolle in einem ernster zu nehmenden Film dar, welche er überzeugend ausfüllt als sich zunehmend nutzlos und damit unglücklich fühlender Teil innerhalb einer Beziehung. Die Chemie mit dem weiblichen Gegenpart Emily Blunt stimmt ebenfalls und beide entwickeln ihre Charaktere im Verlauf des Films authentisch weiter und holen das bestmögliche aus den Rollen heraus. Zurück bleibt die Moral, dass es die perfekte Liebe nicht gibt, man aber aus dem was man vorfindet das Beste herausholen kann und sollte.
 
„Fast verheiratet“ zeichnet sich durch Charme, die Liebenswürdig- und auch Traurigkeit seiner beiden Hauptfiguren und deren gemeinsamer Beziehung, aber auch durchaus witzige Situationen aus, die die etwas mehr als zwei Stunden Laufzeit recht kurzweilig, abwechslungsreich und sympathisch gestalten.


Original: The Five-Year-Engagement (USA 2012)
Regie: Nicholas Stoller
Drehbuch: Jason Segel, Nicholas Stoller
Cast: Jason Segel, Emily Blunt, Rhys Ifans, Chris Pratt, u.a.
Spielzeit: 124 Minuten
Kinostart: 12. Juli 2012
Homepage: http://Movies.Universal-Pictures-International-Germany.De/Fast-Verheiratet/

Montag, Juli 16, 2012

Russland, Mittelosteuropa und Deutschland - Wege zu einer europäischen Friedensordnung

Ein Gastbeitrag von Karsten D. Voigt, ehemaliger Juso-Bundesvorsitzender, Bundestagsabgeordneter und derzeit Mitglied der Kommission für Internationale Beziehungen beim SPD-Parteivorstand.

I.

In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wurden große Teile Europas durch zwei Weltkriege zerstört. Danach standen sich der Osten und der Westen Europas feindselig gegenüber. Seit dem Beginn der Entspannungspolitik und nach dem Ende des Kalten Krieges bemühen sich die europäischen Staaten und Völker darum alte Feindschaften und Trennlinien zu überwinden. Die ehemalige Konfrontation besteht nicht mehr. In den Köpfen viel zu Vieler aber lebt sie weiter. Die Gefahr eines größeren Krieges ist geschwunden. Europa ist insgesamt sicherer geworden, obwohl immer noch das Risiko kleinerer Konflikte besteht. Andererseits: Eine dauerhaft stabile gesamteuropäische Friedensordnung haben die Staaten Europas noch nicht entwickelt.

Eine gesamteuropäische Friedensordnung setzt voraus, dass auch Russland in Europa integriert ist. Russland und seine Nachbarn müssen sich voreinander sicher fühlen. Statt sich voreinander zu fürchten, sollten sie gemeinsam auf neue Bedrohungen ihrer Sicherheit reagieren. In Bezug auf Afghanistan besteht heute bereits eine derartige Zusammenarbeit. In Bezug auf die Bedrohung durch Raketen, die aus dem Nahen und Mittleren Osten auf Ziele in Europa gerichtet sein könnten, fehlt sie bisher.

Schritte in Richtung auf eine gesamteuropäische Friedensordnung sind nur dann realistisch, wenn sie nicht nur den Interessen einiger größerer Staaten, sondern auch denen der meisten kleineren Staaten entsprechen. Größere Staaten haben mehr Einfluss als kleinere Staaten. Eine dauerhaft stabile Friedensordnung lässt sich in Europa aber nur entwickeln, wenn größere und kleinere Staaten zum wechselseitigen Ausgleich ihrer Interessen bereit sind.

II.

Die Erinnerung an einstige Bedrohung und Dominanz ist in kleineren Staaten lebendiger als in den größeren Staaten: Alle Staaten Mittelosteuropas erinnern sich daran, dass sie in früheren Perioden ihrer Geschichte entweder durch Deutschland oder durch Russland dominiert wurden. Deshalb sind größere Staaten wie Russland und Deutschland klug beraten, wenn sie mit ihren kleineren und mittelgroßen Nachbarn zu einem Dialog über die unterschiedliche Sicht auf die Vergangenheit bereit sind. Dieser Dialog wird schwierig und schmerzhaft sein. Er wird selbst unter heute befreundeten Nachbarn nicht zu einer völlig gleichen Sichtweise führen. Dies ist auch nicht erforderlich. Man braucht die Geschichtsbilder seiner Nachbarn nicht zu teilen. Aber die Zusammenarbeit zwischen ihnen wird erleichtert, wenn man versucht, unterschiedliche historische Erinnerungen zumindest zu verstehen. Empathie Weise eröffnet mehr Chancen für eine bessere Zukunft, weil der Blick in die Vergangenheit nicht mehr Möglichkeiten der Kooperation blockiert.

Deutschland war im Zweiten Weltkrieg Aggressor. Im Großen Vaterländischen Krieg besiegte die Sowjetunion diesen Aggressor. Dabei musste sie unermessliche Opfer beklagen. Gemäß der russischen Erinnerung diente der Große Vaterländische Krieg nicht nur der eigenen Befreiung sondern auch der der Völker Mittelosteuropas. Dieses Geschichtsbild unterscheidet sich erheblich von den Erinnerungen großer Teile der Völker Mittelosteuropas. Viele dort sehen in der Befreiung vom nationalsozialistischen Terror zugleich den Beginn einer neuen Unterdrückung. Der Dialog zwischen polnischen und russischen Historikern ist ein besonders erfreuliches Beispiel dafür, wie unterschiedliche Erinnerungen an eine schmerzliche Geschichte den Blick auf eine gemeinsame Zukunft öffnen können.

Das Völkerrecht lehrt uns, dass alle Staaten gleichberechtigt sind. Aus der Politik wissen wir, dass die Macht zwischen den Staaten ungleich verteilt ist. So sind die USA wichtiger für Deutschland als Deutschland für die USA. Wenn die Asymmetrie der Macht selbst die Sichtweisen zwischen so engen Bündnispartnern beeinflusst, wie die USA und Deutschland es sind, so gilt dies umso mehr für Staaten, deren Beziehungen durch die Erinnerung an frühere Verbrechen belastet werden.

Historische Erinnerungen und machtpolitische Asymmetrien beeinflussen das politische Bewusstsein und die Definition von Interessen. Die geografische Lage und die Geschichte eines Landes sind vorgegeben. Aber die Politik kann die Relevanz dieser Faktoren positiv oder auch negativ verändern. Wer eine europäische Friedensordnung will, muss seine Macht klug begrenzen und seine geostrategische Lage für ein Mehr an Kooperation nutzen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Deutschland in Ost und West von Nachbarn umgeben, die ihm aufgrund ihrer Erfahrungen feindselig gegenüber standen und ihm misstrauten. Anfang der 60er studierte ich in Kopenhagen und lernte dort mit den Augen eines von Deutschland besetzten Landes die Geschichte meines eigenen Landes besser zu verstehen. Damals begriff ich, dass eine wichtige Vorbedingung für die Verbesserung der Beziehungen zu unseren Nachbarn darin bestand, ihre Sichtweise auf unsere Geschichte zu verstehen. Als ich einige Jahre später Aufgaben innerhalb der EU übernahm, verstand ich, dass eine Zusammenarbeit zwischen den Staaten Europas nur dann dauerhaft stabil sein kann, wenn auch die Interessen der kleineren Staaten Berücksichtigung finden und nicht – wie häufig in der Vergangenheit – ein Konzert der größeren Staaten die kleineren Staaten zum bloßen Objekt europäischer Politik werden lässt.

Rücksicht auf Nachbarn zu nehmen ist kein Zeichen der Schwäche sondern der Weisheit. Nur weil diese Einsicht das Leitmotiv deutscher Politik nach dem Zweiten Weltkrieg wurde, ist das vereinigte Deutschland heute von Freunden und Partnern umgeben.

III.

Der Weg zu einer gesamteuropäischen Friedensordnung ist von einem Nebeneinander von Kooperation und Integration gekennzeichnet. Kooperation ist dann ein sinnvolles Ziel, wenn Integration nicht gewollt oder – noch – nicht realistisch ist.

Ein aktuelles Beispiel: Aus politischen und technischen Gründen ist eine vollständige Integration von russischen und amerikanischen Raketenabwehrsystemen unrealistisch. Wer eine Konfrontation beim Problem der Raketenabwehr verhindern will, sollte deshalb nicht auf einer vollständigen Integration der russischen und amerikanischen Systeme bestehen, sondern eine möglichst umfassende technische und politische Kooperation anstreben.

Dieses pragmatische Herangehen empfiehlt sich auch für andere Bereiche:

Die EU ist als ein wichtiger Teil einer gesamteuropäischen Friedensordnung bereits eine Realität. Aber Teile Europas, wie z.B. Russland, werden ihr auf absehbare Zeit nicht angehören. Deshalb stellt sich für eine wirklich umfassende europäische Friedensordnung die Frage nach der Vertiefung der Zusammenarbeit der EU mit den europäischen Staaten außerhalb von ihr. Hierfür bedarf es einer Bereitschaft der EU, ihr Konzept einer Zusammenarbeit mit Osteuropa pragmatisch an die jeweils unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen der einzelnen Partnerstaaten anzupassen.

So würde eine Mitgliedschaft Russlands in der EU diese überfordern. Die Frage einer Vollmitgliedschaft Russlands in der EU stellt sich aber gar nicht, weil es diese gar nicht anstrebt. Sie wäre auch kaum mit Russlands Selbstverständnis als eigenständiger und nicht durch Souveränitätsverzichte eingeschränkter Großmacht zu vereinbaren. Eine Partnerschaft der EU mit Russland muss diese Faktoren pragmatisch berücksichtigen. Anders ist die Lage in Bezug auf die Ukraine. Sie möchte von der EU eine Option auf eine zukünftige Mitgliedschaft erhalten. Eine Vollmitgliedschaft der Ukraine aber ist aufgrund ihrer wirtschaftlichen und politischen Probleme auf noch unabsehbare Zeit unrealistisch. Der Assoziationsvertrag zwischen der EU und der Ukraine ist angesichts dieser Ausgangslage eine optimale Lösung. Damit ein solcher Vertrag nicht zu neuen Spannungen und Spaltungen führt, muss er jenseits einer Mitgliedschaft der Ukraine in der von Russland initiierten Zollunion durch eine enge Kooperation der Ukraine mit seinem wichtigsten Nachbarn ergänzt werden: Für Russland und die Ukraine geht es gleichermaßen um eine engere Partnerschaft mit der EU. Aber aufgrund des unterschiedlichen Selbstverständnisses dieser beiden Staaten wird diese Partnerschaft dem Inhalt nach unterschiedlich sein müssen.

Ein ähnlich pragmatisches Vorgehen empfiehlt sich in Bezug auf NATO: In ihr sind die USA und Kanada Mitglied, Russland ist kein Mitglied und wird es auf absehbare Zeit auch nicht werden. Die jetzigen Mitglieder der NATO sind an einer Reform, nicht aber an ihrer Auflösung interessiert. Ihre geplante Erweiterung um weitere Balkanstaaten berührt russische Interessen nicht unmittelbar. Wenn die NATO sich weiter nach Osten oder auf Staaten im Kaukasus erweitern würde, sähe die offizielle Politik Russlands dies als Bedrohung an. Die Mitgliedsstaaten der NATO lehnen jedes Veto-Recht Russlands gegen weitere Erweiterungen zurück.

Wenn über einen neuen rechtlich verbindlichen gesamteuropäischen Sicherheitsvertrages entsprechend der Vorschläge des früheren russischen Präsidenten, Medwedjew, verhandelt werden würde, wären diese prinzipiellen Meinungsdifferenzen nur sehr schwer zu überbrücken. Praktische Bedeutung für die nächsten Jahre aber haben sie kaum, da aufgrund der inneren Lage in der Ukraine und in Georgien eine NATO-Erweiterung in diesen Regionen nicht aktuell ist. Es ist also sinnvoll, eine Erweiterung und Vertiefung der Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten der NATO mit Russland anzustreben, ohne zur Vorbedingung zu erklären, dass vorher die strittige Frage der prinzipiellen Offenheit der NATO für neue Mitglieder gelöst wird.

Ähnliches gilt im Prinzip für die OSZE. Die dort vereinbarten Normen bilden eine gute Grundlage für eine europäische Friedensordnung. Die Stärkung und Weiterentwicklung der OSZE ist wünschenswert. Wenn über die Vorschläge Medwedjews verhandelt wird, darf dies nicht zu einer Schwächung der Normen, Verfahren und Institutionen der OSZE führen. Die OSZE beruht auf dem Prinzip einer gleichberechtigten Mitwirkung aller europäischen Staaten sowie der USA und Kanadas.

Wenn Russland einen völkerrechtlich verbindlichen Vertrag über die Sicherheit aller europäischen Staaten vorschlägt, dann wird es auch die Frage beantworten müssen, ob und wie im Rahmen eines derartigen Vertrages Abchasien und Südossetien (die nur von Russland als selbständige Staaten anerkannt werden) und der Kosovo (der von der Mehrheit der europäischen Staaten, jedoch u.a. nicht von Russland anerkannt wird) völkerrechtlich wirksam einbezogen werden können. Zur Erinnerung: Bevor die KSZE-Schlussakte unterzeichnet werden konnte, musste eine Einigung über den völkerrechtlichen Status der beiden deutschen Staaten, Berlins und der Grenzen Deutschlands erzielt werden. Völkerrechtlich strittige Fragen könnten auch künftig eine Einigung erschweren, Wenn der Vorschlag Medwedjews vor allem darauf abzielen sollte, einen völkerrechtlich verbindlichen Vertrag zu vereinbaren, dann würden logischerweise heute noch völkerrechtlich strittige Fragen eine Einigung erschweren und verzögern. Deshalb wäre es sinnvoll, auch im sicherheitspolitischen Bereich nach Wegen zu einer verstärkten gesamteuropäischen Zusammenarbeit zu suchen, die bereits vor einer Klärung aller strittigen völkerrechtlichen Fragen beschritten werden können.

IV.

Deutschland ist heute von Freunden und Partnern umgeben. Es wird durch keinen Staat, insbesondere auch nicht durch Russland bedroht. In dieser Lage kann Deutschland selbstbewusst bilateral und multilateral auf mehr Kooperation mit Russland drängen. Dabei baut es auf den während der Entspannungspolitik entwickelten Projekten der Vertrauensbildung und der Zusammenarbeit auf. Sein Ziel ist es, Russland durch Handel, Investitionen, transnationale Infrastrukturprojekte (so z.B. im Energie– und Verkehrsbereich), einen intensiven kulturellen Austausch und zusätzliche sicherheits– und abrüstungspolitische Vereinbarungen möglichst eng mit den Mitgliedsstaaten der EU und der NATO zu verbinden. Gleichzeitig versucht es, Russland als Partner im Kampf gegen die Risiken der nuklearen Proliferation, im Kampf gegen den internationalen Terrorismus und gegen den Klimawandel zu gewinnen.

Die Stabilität einer europäischen Friedensordnung hängt nicht allein von sicherheitspolitischen Arrangements ab. Ein gemeinsames Grundverständnis von Rechtstaatlichkeit und die Beachtung der Menschenrechte tragen auch zur sicherheitspolitischen Vertrauensbildung bei. Deshalb ist es positiv zu bewerten, dass Russland seine Mitgliedschaft im Europarat aufrecht erhält und trotz zahlreicher Streitpunkte die Kompetenzen des Straßburger Gerichts vom Grundsatz her anerkennt.

Im Dialog mit Russland vertritt Deutschland demokratische Werte, die Menschenrechte und die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit. Die Beachtung dieser Werte und Prinzipien sind Ziel, nicht aber Voraussetzung von Kooperation. Es ist wahrscheinlich, dass Russland diese Werte erst als Ergebnis eines langen, von Rückschlägen begleiteten Reformprozesses befriedigend beachten wird. Anders als manche ihrer Partner glaubt die Mehrheit der Deutschen nicht, dass Druck von außen mangelnden Reformwillen im Inneren ersetzen kann. Aber Deutschland ist auch nicht bereit, an dem Ziel gemeinsamer Werte und Prinzipien als Teil einer europäischen Friedensordnung Abstriche vorzunehmen. Es kritisiert Andere und wird selber kritisiert, wenn diese Werte und Prinzipien verletzt werden. Die wechselseitige Kritik an innenpolitischen Missständen fördert das Bewusstsein von gemeinsamen europäischen Werten und Normen. Wechselseitige Kritik und zunehmende Zusammenarbeit sind keine Alternativen. Sie sind beides Teile eines gesamteuropäischen Prozesses, der Regierungen, Öffentlichkeit und Bevölkerung gleichermaßen einbezieht.

V.

Für Deutschland stellt Russland die wichtigste Chance und Herausforderung östlich der Grenzen von EU und NATO dar. Für die USA besitzt der Versuch der Zusammenarbeit mit China außer im Bereich der nuklearstrategischen Waffen bei fast allen globalen, vielen regionalen und im wirtschaftlichen Bereich eine höhere Priorität als die Zusammenarbeit mit Russland. Anders als bei Deutschland sind der Handel, der Umfang der wechselseitigen Investitionen, der Kulturaustausch und der Reiseverkehr der USA mit Russland eher gering.

Diese Unterschiede beeinflussen die Sichtweisen. Sie erklären auch, warum Deutschland immer wieder darauf drängt, in einen Dialog über russische Vorschläge einzutreten. Anders die USA: Dort wird es auch nach den kommenden Wahlen keinen relevanten gesellschaftlichen Druck auf den Kongress oder den Präsidenten geben, neue Schritte in Richtung auf eine gesamteuropäische Friedensordnung zu gehen. Außerdem: Es wäre schwer für eine zwischen den Regierungen Russlands und der USA vereinbarte sicherheitspolitische Vereinbarung eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Senat zu finden.

Für die ostmitteleuropäischen Staaten besitzt das Verhältnis zu Russland eine noch höhere Priorität als für Deutschland und eine viel höhere als für die USA. Aber anders als Deutschland und die USA fühlen sich zahlreiche ostmitteleuropäischen Staaten immer noch durch Russland bedroht. Sie lehnen eine Kooperation mit Russland und Verhandlungen über die Medwedjew-Vorschläge nicht prinzipiell ab. Aber Bewusstsein von strittigen Fragen und das Bedürfnis nach Schutz vor Russland ist häufig stärker ausgeprägt als das Bedürfnis nach Kooperation mit ihm.

Wenn Deutschland in der EU und NATO für eine kooperative Politik gegenüber Russland wirbt, stößt dies in Ostmitteleuropa häufig auf Vorbehalte. Deutschland wird die Bereitschaft zur Kooperation mit Russland bei den Regierungen dieser Region nur vergrößern können, wenn es gleichzeitig die kleineren Nachbarn Russlands gegen Drohungen und überzogene Kritik in Schutz nimmt.

Mehr Einfluss auf die Entscheidungen der EU und erst recht auf die der NATO ist es, was Russland als sein Interesse definiert. In diese Richtung zielen auch die Medwedjew-Vorschläge. Wo aber liegt für die Mitgliedsstaaten der EU und der NATO die Grenze zwischen einem legitimen Einfluss und einem nicht akzeptablen Veto-Recht Russlands? Auf diese Frage eine gemeinsame Antwort zu finden, wird der schwierigste Punkt bei Verhandlungen über russische Vorschläge sein.

Umfragen zeigen, dass die deutsche außen– und wirtschaftliche Elite die demokratischen und rechtsstaatlichen Defizite Russlands nüchtern sieht. Auch werden kritische Fragen in Bezug auf das außenpolitische Verhalten Russlands gestellt. Gleichzeitig aber tritt die überwiegende Mehrheit der deutschen Elite, wie auch der Bevölkerung insgesamt, für eine engere Zusammenarbeit mit Russland ein. Das Konzept einer „Modernisierungs-Partnerschaft“ mit Russland kann in Deutschland auf eine breite Zustimmung vertrauen. Das Gleiche gilt für den Versuch, Russland durch neue sicherheitspolitische Vereinbarungen enger mit den übrigen Staaten Europas zu verbinden.

VI.

Eine dauerhaft stabile Friedensordnung setzt eine konstruktive Rolle Russlands in Europa voraus. Welchen Weg Russland einschlägt, wird durch Russland selber entschieden. Jeder Versuch, Russland seine Rolle in Europa gegen seinen eigenen Willen aufzunötigen, wäre zum Scheitern verurteilt. Aber Russlands Nachbarn müssen durch Ton und Verhalten der russischen Politik spüren, dass ihre Sorgen und Ängste vor der russischen Politik unberechtigt sind.

Deutschland hat heute keine Angst mehr vor Russland. Die bilateralen Beziehungen sind gut. Deutschland hat ein Interesse daran, dass sich die bilateralen Beziehungen Russlands zu seinen westlichen Nachbarn und zur EU und zur NATO verbessern und dies aus drei Gründen:

Wenn sich die bilateralen Beziehungen zwischen Russland und seine westlichen Nachbarn verbessern, dann verringern sich auch die Vorbehalte gegen eine Vertiefung der deutsch-russischen Zusammenarbeit.
Die Verbesserung der Beziehungen zwischen Russland und seinen westlichen Nachbarn und Russlands Mitwirkung bei der Überwindung von noch ungelösten Problemen erhöhen die Stabilität in Europa insgesamt und vergrößern die Chance von gesamteuropäischen Entwicklungen.
Die Verbesserung der Beziehungen zwischen Russland und seinen westlichen Nachbarn begünstigt eine engere Kooperation Russlands mit der EU und der NATO. Dies ist angesichts neuer Herausforderungen und Gefahren aus anderen Teilen der Welt dringend erforderlich.

Unter einer derartigen Zusammenarbeit würde die transatlantische Zusammenarbeit nicht leiden und die gesamteuropäische gewinnen. Auch Russlands Rolle in Europa würde sich stabilisieren. Eine derartige Entwicklung läge in seinem wohlverstandenen außen– und innenpolitischen Eigeninteresse. Nachdem Europa im vergangen Jahrhundert durch Kriege und Ideologien seine führende Rolle verspielt hat, könnte es durch Zusammenarbeit gewährleisten, dass im Konzert alter und neuer Mächte europäische Kultur und europäische Interessen auch global relevant bleiben.

Sonntag, Juli 15, 2012

Das stille Örtchen

Wer schon einmal für ein kleineres oder größeres Geschäft ein Stilles Örtchen aufsuchen musste, ist dort sicherlich auch schon über die ein oder andere kreative Meisterleistung in Text- und/oder Bildform gestolpert. In zukünftigen vergleichbaren Situationen denkt ihr dabei einfach an mich :-) Macht ein Bild und lasst es mir zukommen - ich werde ihm dann in meinem neuen Blog "Das stille Örtchen" den gebührenden Platz einräumen.

Freitag, Juli 13, 2012

Schnipp Schnapp

Das Landgericht Köln hat vor kurzem für Aufmerksamkeit gesorgt, als es die Beschneidung eines vierjährigen Jungen aus religiösen Gründen für eine Körperverletzung und somit für strafbar erklärt hat. Auch wenn das Urteil eine Einzelfallentscheidung war und nicht bindend ist, war und ist dies in der Bundesrepublik Deutschland ein bisher einmaliger Vorgang mit Auswirkungen auf die Ausübung der Religion. Der Zentralrat der Juden hatte unlängst erklärt, dass das Urteil des Landgerichts Köln zur Folge habe, dass für Juden in Deutschland kein Platz mehr sei und dies der schlimmste Angriff auf den jüdischen Glauben in Deutschland seit dem Holocaust sei, weil die Beschneidung nun mal eines der (wenn nicht das) wesentlichen Merkmale zur Ausübung des jüdischen Glaubens ist. Ich schicke vorweg, dass ich kein Jurist bin und mich bei der Beurteilung dessen nur auf meinen gesunden Menschenverstand verlassen kann (was ich im übrigen auch keinem Juristen absprechen möchte ;-) ). 

Die beiden grundgesetzlich geschützten Rechtsgüter, die sich hier scheinbar unvereinbar gegenüber stehen und gegeneinander abgewogen werden müssen, sind das Recht auf körperliche Unversehrtheit (eines Kindes) auf der einen und die Ausübung der Religionsfreiheit auf der anderen Seite. Während das Landgericht Köln für sich entschieden hat, dem ersteren ein höheres Gewicht beizumessen, haben der SPD-Vorsitzende Gabriel sowie die SPD-Justiziarin und ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries heute für die SPD erklärt (einen entsprechenden Beschluss dazu gibt es im übrigen nicht, aber das nur am Rande), sicherlich nicht unvoreingenommen aufgrund des im Vorfeld aufgebauten öffentlichen Drucks durch die Zentralräte der Muslime und Juden, dass sie letzterem, nämlich der Religionsfreiheit, einen höheren Stellenwert zubilligen – zumindest in dieser Frage der rituellen Beschneidung von männlichen Kindern – und hier falls erforderlich eine rechtliche Klärung herbeiführen wollen. Das Gute vorweg: Weil es in dieser Frage sicher kein richtig oder falsch gibt und beide Seiten, nicht zuletzt vor dem historischen Hintergrund der jahrtausendelangen Tradition von Islam und vor allem Judentums, aber vor allem auch aufgrund der jüngeren Historie des jüdischen Glaubens in Deutschland, nachvollziehbare und zu respektierende Argumente vorweisen, kann vielleicht genau eine solche gesetzliche Regelung dazu beitragen, dass sich letzten Endes nach entsprechenden Eingaben (die es mit Sicherheit geben wird) das Bundesverfassungsgericht als oberste Hüterin unseres Grundgesetzes mit dieser Frage auseinandersetzen wird und die beiden betroffenen und so wichtigen Rechtsgüter unseres Grundgesetztes gegeneinander abwägt bzw. vor allem auch entsprechende Grenzen aufzeigt. Nämlich die Grenze, wann das eine Grundrecht (die Ausübung der Religionsfreiheit) das andere Grundrecht (die körperliche Unversehrtheit) im wahrsten Sinne des Wortes beschneidet. Denn es dürfte unstrittig sein, dass das Beschneiden männlicher Genitalien einen irreversiblen Eingriff am Körper eines Menschen darstellt (die nicht gesundheitsschädliche Wirkung sei hier einmal unerheblich, weil sie auch nicht Motiv des Handelns ist). Das Eltern, ebenfalls geschützt durch unser Grundgesetz, das Recht und die Pflicht besitzen, ihre Kinder entsprechend zu sozialisieren und somit ihrem Erziehungsauftrag nachzukommen, schließt eine religiöse Prägung freilich nicht aus, ganz im Gegenteil. Die zu klärende Frage ist nun, ob es auch eine irreversiblen körperlichen Eingriff legitimiert und wenn ja, bis zu welcher Grenze. Während eine Taufe beispielsweise durch einen schlichten formalen Akt rückgängig gemacht werden kann, trifft dies auf die Beschneidung mitnichten zu. Wird das Erziehungsrecht der Eltern unzumutbar beeinträchtigt, wenn sie gehalten sind abzuwarten, ob sich das Kind später (wenn es mündig ist) selbst für die Beschneidung als sichtbares Zeichen der Zugehörigkeit zum Islam oder zum Judentum entscheidet? Andererseits kann im Umkehrschluss aber auch nicht belegt werden, dass die Beschneidung dem Wohl des Kindes schadet und dem Interesse des Kindes zuwiderlaufen soll. Entsprechende Klagen oder Beschwerden von aus religiös motivierten Gründen beschnittenen Männern sind heuer zumindest nicht bekannt, worauf die Verbände der Muslime und Juden unisono verweisen Nicht zu vergessen: Verteidiger des Urteils durch das Landgericht Köln weisen bereits darauf hin, dass beispielsweise auch die Beschneidung von weiblichen Genitalien rituell und religiös motiviert sein kann – diese allerdings unisono abgelehnt, ja sogar verachtet wird. Dem sei mit dem Urteil, welches dem Recht auf körperliche Unversehrtheit den Vorrang eingeräumt hat, ein Riegel vorgeschoben. Die Richter haben sich damit aber auch als Schiedsrichter der Religionsausübung erkoren. Ob deren Urteil Bestand und vor allem – viel wichtiger – Akzeptanz haben wird, dürfte die Zukunft und vermutlich erst ein Richterspruch durch Karlsruhe abschließend klären mit womöglich weitreichenden Folgen: Nämlich dass tatsächlich am Ende die jahrtausende lang gelebte religiöse Praxis muslimischen und jüdischen Glaubens - zumindest in Deutschland - unter Strafe steht. Und das womöglich sogar - im wahrsten Sinne des Wortes - "mit Recht". 

Achso, natürlich soll auch meine persönliche Einschätzung zum Schluss nicht fehlen. Bei der tue ich mich derzeit zugegebenermaßen sehr schwer hinsichtlich eines deutlichen Pro oder Contras. Eigentlich kann ich mir im Grundsatz gar nicht vorstellen, dass (auch unter dem "Deckmantel" der freien Religionsausübung) in unserem Rechtstaat Ausnahmeregelungen beim Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit (wenn auch "nur" für die Beschneidung eines Kleinkinds) gebilligt werden. Allerdings will ich mir auch gar nicht ausmalen, welche Folgen dies in der Praxis tatsächlich hätte, wenn dann tatsächlich die Frage im Raum stünde, ob in Deutschland noch der entsprechende Raum zur freien Entfaltung der Religion bestünde, zumal Deutschland damit weltweit relativ alleine stünde (was freilich kein Negativmerkmal sein müsste, in der jüngeren deutschen Geschichte sogar des öfteren in anderen grundsätzlichen Fragen Vorbildcharakter hatte), nicht zuletzt vor unserer historischen Verantwortung gegenüber der jüdischen Bevölkerung.

Sonntag, Juli 08, 2012

Jusos fordern Sperrstunde für Kristina Schröder

Im Kampf gegen das sogenannte Komasaufen will Bundesjugendministerin Kristina Schröder den Jugendschutz verschärfen und eine strenge Sperrstunde für Teenager ausrufen. Ohne Begleitung eines Erziehungsberechtigten sollen Jugendliche unter 16 Jahren demnach öffentliche Veranstaltungen mit Alkoholausschank bereits um 20 Uhr verlassen müssen.

Dazu erklärt der Vorsitzende der südhessischen Jusos, Carsten Sinß:

„Zum wiederholten Mal hat Ministerin Schröder bewiesen, dass sie fernab von der Lebensrealität der Menschen agiert, die sie politisch zu vertreten hat. Wir fragen uns, ob und wo Kristina Schröder in ihrer Jugend gefeiert hat, wenn sie glaubt mit dieser Maßnahme auch nur einen einzigen Jugendlichen am Alkoholkonsum hindern zu können. Das Ergebnis einer vorgezogenen Sperrstunde für Teenager wären lediglich frustrierte Jugendliche. Anstelle von Repression braucht es aber Prävention und Aufklärung. Was möchte Kristina Schröder später einmal ihrer Tochter Lotte Marie erklären? Wegen des Betreuungsgelds kommt sie nicht in den Kindergarten und lernt keine gleichaltrigen Kinder kennen. Partys darf sie nur mit Mama Kristina besuchen oder muss sie um 20 Uhr wieder verlassen. Und einen Führungsjob erhält sie auch nicht, weil die „Flexiquote“ auch in 20 oder 30 Jahren nicht dazu führen wird, dass auch nur ein einziges Unternehmen mehr Frauen in Führungsebenen einsetzt. Wir Jusos fordern deshalb gerade im Sommerloch eine Sperrstunde für Kristina Schröder und ihre Vorschläge.“

Donnerstag, Juli 05, 2012

You're not special

Beeindruckende Wege kurz vor dem Gang "raus in das Leben"...



"Dr. Wong, Dr. Keough, Mrs. Novogroski, Ms. Curran, members of the board of education, family and friends of the graduates, ladies and gentlemen of the Wellesley High School class of 2012, for the privilege of speaking to you this afternoon, I am honored and grateful. Thank you.

So here we are... commencement... life’s great forward-looking ceremony. (And don’t say, “What about weddings?” Weddings are one-sided and insufficiently effective. Weddings are bride-centric pageantry. Other than conceding to a list of unreasonable demands, the groom just stands there. No stately, hey-everybody-look-at-me procession. No being given away. No identity-changing pronouncement. And can you imagine a television show dedicated to watching guys try on tuxedos? Their fathers sitting there misty-eyed with joy and disbelief, their brothers lurking in the corner muttering with envy. Left to men, weddings would be, after limits-testing procrastination, spontaneous, almost inadvertent... during halftime... on the way to the refrigerator. And then there’s the frequency of failure: statistics tell us half of you will get divorced. A winning percentage like that’ll get you last place in the American League East. The Baltimore Orioles do better than weddings.)

But this ceremony... commencement... a commencement works every time. From this day forward... truly... in sickness and in health, through financial fiascos, through midlife crises and passably attractive sales reps at trade shows in Cincinnati, through diminishing tolerance for annoyingness, through every difference, irreconcilable and otherwise, you will stay forever graduated from high school, you and your diploma as one, ’til death do you part.

No, commencement is life’s great ceremonial beginning, with its own attendant and highly appropriate symbolism. Fitting, for example, for this auspicious rite of passage, is where we find ourselves this afternoon, the venue. Normally, I avoid clichés like the plague, wouldn’t touch them with a ten-foot pole, but here we are on a literal level playing field. That matters. That says something. And your ceremonial costume... shapeless, uniform, one-size-fits-all. Whether male or female, tall or short, scholar or slacker, spray-tanned prom queen or intergalactic X-Box assassin, each of you is dressed, you’ll notice, exactly the same. And your diploma... but for your name, exactly the same.

All of this is as it should be, because none of you is special.

You are not special. You are not exceptional.

Contrary to what your u9 soccer trophy suggests, your glowing seventh grade report card, despite every assurance of a certain corpulent purple dinosaur, that nice Mister Rogers and your batty Aunt Sylvia, no matter how often your maternal caped crusader has swooped in to save you... you’re nothing special.

Yes, you’ve been pampered, cosseted, doted upon, helmeted, bubble-wrapped. Yes, capable adults with other things to do have held you, kissed you, fed you, wiped your mouth, wiped your bottom, trained you, taught you, tutored you, coached you, listened to you, counseled you, encouraged you, consoled you and encouraged you again. You’ve been nudged, cajoled, wheedled and implored. You’ve been feted and fawned over and called sweetie pie. Yes, you have. And, certainly, we’ve been to your games, your plays, your recitals, your science fairs. Absolutely, smiles ignite when you walk into a room, and hundreds gasp with delight at your every tweet. Why, maybe you’ve even had your picture in the Townsman! And now you’ve conquered high school... and, indisputably, here we all have gathered for you, the pride and joy of this fine community, the first to emerge from that magnificent new building...

But do not get the idea you’re anything special. Because you’re not.

The empirical evidence is everywhere, numbers even an English teacher can’t ignore. Newton, Natick, Nee... I am allowed to say Needham, yes? ...that has to be two thousand high school graduates right there, give or take, and that’s just the neighborhood Ns. Across the country no fewer than 3.2 million seniors are graduating about now from more than 37,000 high schools. That’s 37,000 valedictorians... 37,000 class presidents... 92,000 harmonizing altos... 340,000 swaggering jocks... 2,185,967 pairs of Uggs. But why limit ourselves to high school? After all, you’re leaving it. So think about this: even if you’re one in a million, on a planet of 6.8 billion that means there are nearly 7,000 people just like you. Imagine standing somewhere over there on Washington Street on Marathon Monday and watching sixty-eight hundred yous go running by. And consider for a moment the bigger picture: your planet, I’ll remind you, is not the center of its solar system, your solar system is not the center of its galaxy, your galaxy is not the center of the universe. In fact, astrophysicists assure us the universe has no center; therefore, you cannot be it. Neither can Donald Trump... which someone should tell him... although that hair is quite a phenomenon.

“But, Dave,” you cry, “Walt Whitman tells me I’m my own version of perfection! Epictetus tells me I have the spark of Zeus!” And I don’t disagree. So that makes 6.8 billion examples of perfection, 6.8 billion sparks of Zeus. You see, if everyone is special, then no one is. If everyone gets a trophy, trophies become meaningless. In our unspoken but not so subtle Darwinian competition with one another--which springs, I think, from our fear of our own insignificance, a subset of our dread of mortality--we have of late, we Americans, to our detriment, come to love accolades more than genuine achievement. We have come to see them as the point--and we’re happy to compromise standards, or ignore reality, if we suspect that’s the quickest way, or only way, to have something to put on the mantelpiece, something to pose with, crow about, something with which to leverage ourselves into a better spot on the social totem pole. No longer is it how you play the game, no longer is it even whether you win or lose, or learn or grow, or enjoy yourself doing it... Now it’s “So what does this get me?” As a consequence, we cheapen worthy endeavors, and building a Guatemalan medical clinic becomes more about the application to Bowdoin than the well-being of Guatemalans. It’s an epidemic--and in its way, not even dear old Wellesley High is immune... one of the best of the 37,000 nationwide, Wellesley High School... where good is no longer good enough, where a B is the new C, and the midlevel curriculum is called Advanced College Placement. And I hope you caught me when I said “one of the best.” I said “one of the best” so we can feel better about ourselves, so we can bask in a little easy distinction, however vague and unverifiable, and count ourselves among the elite, whoever they might be, and enjoy a perceived leg up on the perceived competition. But the phrase defies logic. By definition there can be only one best. You’re it or you’re not.

As you commence, then, and before you scatter to the winds, I urge you to do whatever you do for no reason other than you love it and believe in its importance. Don’t bother with work you don’t believe in any more than you would a spouse you’re not crazy about, lest you too find yourself on the wrong side of a Baltimore Orioles comparison. Resist the easy comforts of complacency, the specious glitter of materialism, the narcotic paralysis of self-satisfaction. Be worthy of your advantages. And read... read all the time... read as a matter of principle, as a matter of self-respect. Read as a nourishing staple of life. Develop and protect a moral sensibility and demonstrate the character to apply it. Dream big. Work hard. Think for yourself. Love everything you love, everyone you love, with all your might. And do so, please, with a sense of urgency, for every tick of the clock subtracts from fewer and fewer; and as surely as there are commencements there are cessations, and you’ll be in no condition to enjoy the ceremony attendant to that eventuality no matter how delightful the afternoon.
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The fulfilling life, the distinctive life, the relevant life, is an achievement, not something that will fall into your lap because you’re a nice person or mommy ordered it from the caterer. You’ll note the founding fathers took pains to secure your inalienable right to life, liberty and the pursuit of happiness--quite an active verb, “pursuit”--which leaves, I should think, little time for lying around watching parrots rollerskate on Youtube. The first President Roosevelt, the old rough rider, advocated the strenuous life. Mr. Thoreau wanted to drive life into a corner, to live deep and suck out all the marrow. The poet Mary Oliver tells us to row, row into the swirl and roil. Locally, someone... I forget who... from time to time encourages young scholars to carpe the heck out of the diem. The point is the same: get busy, have at it. Don’t wait for inspiration or passion to find you. Get up, get out, explore, find it yourself, and grab hold with both hands. (Now, before you dash off and get your YOLO tattoo, let me point out the illogic of that trendy little expression--because you can and should live not merely once, but every day of your life. Rather than You Only Live Once, it should be You Live Only Once... but because YLOO doesn’t have the same ring, we shrug and decide it doesn’t matter.)

None of this day-seizing, though, this YLOOing, should be interpreted as license for self-indulgence. Like accolades ought to be, the fulfilled life is a consequence, a gratifying byproduct. It’s what happens when you’re thinking about more important things. Climb the mountain not to plant your flag, but to embrace the challenge, enjoy the air and behold the view. Climb it so you can see the world, not so the world can see you. Go to Paris to be in Paris, not to cross it off your list and congratulate yourself for being worldly. Exercise free will and creative, independent thought not for the satisfactions they will bring you, but for the good they will do others, the rest of the 6.8 billion--and those who will follow them. And then you too will discover the great and curious truth of the human experience is that selflessness is the best thing you can do for yourself. The sweetest joys of life, then, come only with the recognition that you’re not special.

Because everyone is.

Congratulations. Good luck. Make for yourselves, please, for your sake and for ours, extraordinary lives."


David McCullough Jr

Mittwoch, Juli 04, 2012

SPD im Aufwind...

"(...) 14 Monate vor der Landtagswahl steckt die Partei weiter im Tief. Nach einer Umfrage für das Magazin "Stern" wollen derzeit nur 43 Prozent der wahlberechtigten Bayern die CSU wählen. (...) Rückenwind verspürt hingegen die bayerische SPD, die mit 23 Prozent der Stimmen rechnen kann. (...)"

Dienstag, Juli 03, 2012

Stöckchen: Mehr Zeit

Wer hätte nicht mal gerne mehr Zeit.

Mehr Zeit für...
  • seine Liebsten
  • Kino
  • Lesen
  • Reisen
  • Ausruhen
  • Gedanken
  • Sport
  • ...

Sonntag, Juli 01, 2012

SPD Oestrich-Winkel lädt zum 5. Hüttenfest

Bürgermeisterkandidat Werner Fladung steht für Gespräche bereit / Weinbergswanderung mit Gästebegleiterin Evelyn Bleuel

Bereits zum fünften Mal lädt die SPD Oestrich-Winkel zum zünftigen Hüttenfest mitten in den Weinbergen ein. Die Hütte war 1977 von der SPD in Eigenregie erbaut und 2008 saniert worden und dient als Ort zur Rast. Das Hüttenfest findet am Sonntag, den 1. Juli ab 11.00 Uhr, herrlich gelegen in Mitten der Oestrich-Winkeler Weinbergsgemarkung statt. Die SPD hat für Essen und Getränke sowie Kaffee und Kuchen gesorgt, so dass Einheimische, Wanderer und Radfahrer an der Hütte eine Rast einlegen können. Auch Bürgermeisterkandidat Werner Fladung wird während des Hüttenfestes für Gespräche und Fragen der Bürger zur Verfügung stehen.

Erstmals wird es dieses Jahr auch eine gemütliche Weinbergswanderung von der SPD-Hütte bis Schloss Vollrads unter der Führung der Gästebegleiterin Evelyn Bleuel geben. Die Wanderung beginnt um 10.30 Uhr an der SPD Hütte und dauert eine gute Stunde, so dass die Wanderer pünktlich zum Mittagessen am Hüttenfest einkehren können.

Erreichbar ist das die SPD-Hütte bzw. das SPD-Hüttenfest über den Feldweg von der Greiffenlaustraße / Ecke Engerweg (Bereich Winkel / Mittelheim). Dann dem Feldweg in Richtung Norden/Schloss Vollrads folgen. An der nächste Kreuzung rechts abbiegen. Nach wenigen Minuten ist die zentral liegende Hütte erreicht. Außerdem wird die SPD Wegweiser anbringen. Auf der Homepage der SPD Oestrich-Winkel (www.spd-oestrich-winkel.de) findet sich noch eine grafische Wegbeschreibung. „Wir freuen uns auf den Besuch der Gäste“, betont der SPD-Vorsitzende Carsten Sinß. Für Rückfragen steht der SPD-Vorsitzende Carsten Sinß zur Verfügung.