Mittwoch, Mai 08, 2013

120 Km/h

Immerhin hat Sigmar Gabriel die SPD mal wieder auf die Titelseite aller Online- und Offline-Gazetten gebracht. Dummerweise ist ihm dies mit seiner Idee/Forderung von einem Tempolimit von 120 Km/h auf deutschen Autobahnen (was man weder im SPD-Regierungsprogramm findet noch Beschlusslage der Partei ist - da liegt das Tempolimit bei 130 Km/h) gelungen, wodurch er zweifelsfrei das Sommerloch zwei Monate nach vorne geholt hat. Aber auch wenn ich von dem taktischen Geschick meines SPD-Bundesvorsitzenden nun nicht gerade restlos überzeugt bin, stehe ich inhaltlich doch hinter dieser Idee, auch wenn ich aus rein pragmatischen Gründen maximal 130 statt 120 Km/h auf den Bundesautobahnen zulassen würde. Denn das ist derzeit ohnehin schon die Richtgeschwindigkeit auf ca. 40% der Autobahnkilometer mit entsprechend vorhandener Beschilderung. Fakt ist aber zudem:
  • Neben so exotischen Staaten wie Nordkorea oder Afghanistan gibt es im Grunde genommen überall auf der Welt bestehende Tempolimits. Nur Deutschland mit seiner starken Autofahrerlobby (ADAC) leistet sich noch ein paar Autobahnkilometer, auf denen das nicht gilt.
  • Nach Schätzungen von Umweltschützern verringert ein Tempolimit auf Autobahnen die CO2-Emissionen des Pkw-Verkehrs um drei Millionen Tonnen pro Jahr. Da mehr als ein Drittel der Pkw-Kilometer in Deutschland auf Autobahnen gefahren werde, brächte ein Tempolimit eine Minderung des CO2-Ausstoßes um neun Prozent laut Bundesumweltamt.
  • Die Unfälle mit Personenschäden auf Autobahnen könnten zurück gehen, auf jeden Fall aber das tödliche Risiko bei einem Autounfall (Physikkenntnisse aus der 7. Klasse lassen grüßen) minimiert werden. Derzeit sterben jährlich ca. 3.600 Menschen im Straßenverkehr, Tenden fallend. Sicher wird es auch zukünftig noch Tote auf Deutschlands Straßen geben, aber wenn man den Anspruch als Staat hat diese Zahl im Idealfall möglichst auf Null zu senken, sollte man den Autofahrern nicht im Umkehrschluss erlauben, mit zum Beispiel 200 Km/h über Deutschlands Autobahnen zu fegen. 
  • Dass die Einführung eines Tempolimits im übrigen nicht gleichzeitig die Erhöhung der Sicherheit entlang der (statistisch mindestens ebenso gefährlichen) Landstraßen ausschließt, dürfte sich hoffentlich von selbst erklären. Denn auch wenn ich das als absolut hanebüschen erachte, prophezeihen die Kritiker eines Tempolimits ja, dass Autofahrer bei einem Tempolimit auf Deutschen Autobahnen auf die noch stärker geschwindigkeitsbeschränkten Landstraßen ausweichen.
  • Ein Tempolimit kann weniger Staus zur Folge haben, weil die hohen Geschwindigkeitsunterschiede auf Autobahnen, die eine wichtige Ursache bei der Stauentstehung sind, minimiert werden. 
  • Haben unsere Automobilkonzerne bei bestehendem Tempolimit noch einen Anreiz, weiter mitzumachen im Wettrüsten um die PS-stärksten und schnellsten Boliden? Oder würde endlich verstärkt in energieeffiziente und umweltschonende Fahrzeuge investiert werden?

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