Sonntag, Dezember 08, 2013

Juso-Bundeskongress – Morgen links leben (6.-8.12.13)

Von Freitag bis Sonntag fand der alljährliche Bundeskongress der Jusos in Nürnberg statt, dem ich wieder als Delegierter beiwohnen durfte. Für mich war es ein besonderer Bundeskongress, weil ich als stellvertretender Bundesvorsitzender (leider nicht erfolgreich, dazu weiter unten mehr) kandidiert habe – für die Jusos war es ein besonderer Bundeskongress, weil es Große Koalition und Sigmar Gabriel sei Dank ausnahmsweise einmal unter besonderer medialer Aufmerksamkeit stand. Zunächst folgte am Freitag nach dem Rechenschaftsbericht des scheidenden Vorsitzenden Sascha Vogt und einer europapolitischen Debatte mit Martin Schulz die Wahl der/des neuen Juso-Bundesvorsitzenden, die Johanna Uekermann aus Bayern (bisher Stellvertreterin) mit rund 69% der Stimmen gegen den Mitbewerber Hauke Wagner (ca. 27%) aus Hamburg für sich entschied. Für Juso-Verhältnisse war das ein „normales“, aber keineswegs berauschendes Ergebnis, bilden doch die eher dogmatisch-linksorientierten Jusos seit Jahrzehnten die Mehrheit der Delegierten gegenüber den (immerhin stetig wachsenden) pragmatisch orientierten Jusos, zu denen auch ich mich zähle. Am Samstag Vormittag wurde ich dann (im Grunde genommen erwartungsgemäß) nicht als einer von acht StellvertreterInnen in den Juso-Bundesvorstand gewählt, den die links-dogmatischen Strömungen unter sich besetzten (sogar noch mit kurzfristigen Nachnominierungen nach diversen Kandidaturrückzügen). Dafür war mein Ergebnis mit über einem Drittel der Stimmen aber immerhin auch ein Achtungserfolg, mit dem ich persönlich gut leben konnte. Allerdings entspricht es nicht meinem Politikverständnis eines offenen Verbandes, dem es nicht gelingt, nach innen wie nach außen alle Teile des Verbandes und der jungen Generation mitzunehmen und sich stattdessen viel und sehr theoretisch mit sich selbst zu beschäftigen, wie ich auch in meiner Vorstellungsrede (siehe Video unten) zum Ausdruck gebracht habe. Ich bleibe insoweit Idealist, dass ich dem zukünftigen Bundesvorstand viel Erfolg dabei wünsche (und das auch mit der konkreten Erwartung verbinde), diese Strukturen endlich aufzubrechen.

Das „Highlight“ war dann erwartungsgemäß die Debatte mit dem SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel über den Mitgliederentscheid und die Große Koalition. Hier präsentierten sich leider sowohl Sigmar Gabriel wie auch die Jusos nicht in Bestform, was sicher mit dazu beitrug, dass es die Jusos zumindest in meiner Zeit als Mitglied in der SPD erstmals auf den Top-Platz bei Spiegel Online schafften. Ob das nun für die Jusos oder für sich spricht, sei einmal dahingestellt – ich habe persönlich aber einen anderen Anspruch an einen Verband, den ich mir auch mutiger wünsche mit klaren Politikansätzen und -alternativen anstelle eines simplen "Nein" (siehe auch diese Pressemitteilung der Jusos Hamburg).

Neben den Auswirkungen der angebotenen Kinderbetreuung :-) können weitere Eindrücke des Bundeskongresses in den sehr aufschlussreichen Blog-Posts der Neudelegierten Yannick Reuter, Daniel Jungblut und Johannes Jungilligens nachgelesen werden, die ich hier deshalb ausspare.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.