Freitag, August 18, 2017

Thomas Oppermann zu Gast in Oestrich-Winkel

Bahnlärm, Kinderehen, Grundeinkommen und Bildung
Vorsitzender der SPD- Bundestagsfraktion Thomas Oppermann im direkten Gespräch

Bürger trafen bei „Martin Rabanus trifft Thomas Oppermann“ in der Brentanoscheune den SPD-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag zum direkten Gespräch.

Oestrich-Winkel. (sf) – Von wegen Politikverdrossenheit und Unerreichbarkeit der Politiker „da oben“: rund 100 Besucher der Veranstaltung „Martin Rabanus trifft Thomas Oppermann“, die vergangenen Donnerstagabend in der Brentanoscheune stattfand, hatten die Gelegenheit, dem SPD-Fraktionsvorsitzenden direkt Fragen zu stellen und Probleme zu schildern, die den Bürgern im alltäglichen Leben zu schaffen machen.

Und das taten sie auch: ohne Scheu stellten sie in der Diskussion ihre Fragen auf Augenhöhe mit Thomas Oppermann und Martin Rabanus und bekamen auch sofort eine Antwort. Zwar nicht immer ganz zufriedenstellend für die Gäste, weil zum Teil die Probleme nicht gleich lösbar sind oder gar Gesetzesänderungen bedürfen, aber überraschend ehrlich, gerade auch, wenn die Lösungen nicht direkt greifbar waren. „Hier stehen die Bürger und ihre Fragen im Mittelpunkt, das wird keine zweistündige Frontalbeschallung“, hatte auch der Oestrich-Winkeler SPD-Vorsitzende Carsten Sinß vorab erklärt.

Bereits seit einigen Wochen ist der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Rabanus auf seiner großen Sommertour unterwegs: „Ich stecke gerade mittendrin und will alle 27 Städte und Gemeinden meines Wahlkreises besuchen“, erklärte er bei der Begrüßung. Es sei ihm dabei wichtig, nicht nur als Politiker „aufzutauchen“, sondern mit den Bürgern ganz offen ins Gespräch zu kommen und so viele Tipps und Fragen von der Basis mit in seine Arbeit im Bundestag zu nehmen wie möglich, erklärte Rabanus. Deshalb hatte er sich auch die „Martin Rabanus trifft…“-Aktion mit seinem Team ausgedacht. Bei diesen Veranstaltungen kommt der Bundestagsageordnete dann nicht alleine zu einer Fragestunde mit den Bürgern, sondern bringt stets einen sehr prominenten Kollegen aus dem Bundestag mit. So wird er auch am 22. August auf Sigmar Gabriel treffen und mit ihm zusammen im „Town-Hall“-Format Fragen der anwesenden Gäste von Angesicht zu Angesicht beantworten. Wie auch vergangenen Donnerstag mit Thomas Oppermann.

Eröffnet hatte der „örtliche Kollege“ von Oppermann, Carsten Sinß, der SPD-Ortsvereinsvorsitzende ist auch SPD-Fraktionsvorsitzender im Oestrich-Winkeler Stadtparlament, den Abend mit der Erläuterung des „Town Hall-Formats“: „Jeder Fragesteller hat eine Minute Zeit um seine Frage zu stellen, auf der Leinwand läuft ein Countdown runter, um Statements und Ausschweife zu verhindern. Die Fragesteller kommen direkt zu Thomas Oppermann und Martin Rabanus an den roten Stehtisch, um ihre Fragen zu stellen. Die beiden Politiker antworten dann innerhalb von drei Minuten, auch mit Countdown“. Ab und zu gab es noch eine Nachfrage, das war erlaubt.

Zum Einstieg in den Abend gab es dann zunächst noch einen kleinen Film, in dem Martin Rabanus zeigte, wie sein Arbeitsalltag aussieht und wofür er steht. In seiner Begrüßung gab er seiner Freude Ausdruck, dass so viele Gäste seiner Einladung gefolgt waren. Bunt gemischt aus drei Generationen setzte sich das Publikum zusammen und auch Mitglieder anderer Parteien waren mit von der Partie. Aus allen Rheingauer Kommunen von Lorch bis Walluf waren die Besucher gekommen.

Rechtzeitig zur Eröffnung der Fragerunde traf dann auch Thomas Oppermann ein, der ebenfalls gerade auf Tour sei und einige Wahlkreise besuche: „ Am heutigen Donnerstag war ich in Kassel, Marburg, Darmstadt und die letzte Station war im Rheingau. Und glauben Sie mir, mich haben heute alle beneidet, als ich gesagt habe, dass ich meinen Feierabend im Rheingau begehe“, sagte er.

Dann aber standen die Fragen der Bürger im Mittelpunkt: „Brauchen wir 16 verschiedene Bildungssysteme in Deutschland?“, „Wann wird es im Rheintal endlich leiser?“, „Wer sorgt für eine alternative Trasse?“, „Wie reagiert Deutschland bei Flüchtlingen, die Kinderehen geschlossen haben?“, „Wie stehen Sie zum bedingungslosen Grundeinkommen?“, „Wie stehen sie zu Auslandseinsätzen und Waffenlieferungen in Krisengebiete?“, waren einige der Fragen, die die Bürger hatten. Es wurden Probleme bei freiwillig gezahlten Krankenkassenbeiträgen geschildert und Ungerechtigkeiten bei der Mütterrente für ältere Mütter diskutiert. Sehr aufmerksam und sehr fair verfolgten die Gäste in der Brentanoscheune die sachlichen und durchaus auch informativen Diskussionen. Auffallend war, dass auch viele junge Zuhörer, darunter einige Schüler vom Hansenberg, im Publikum waren und sich auch trauten, Fragen zu stellen.

„Ich werde heute Abend viele Anregungen mit nach Berlin nehmen“, resümierte Thomas Oppermann. So sei ihm das dringliche Problem des Bahnlärms im Rheingau noch bewusster geworden. Oder die vermehrte Wertschätzung der Arbeit von Menschen mit Handicap, die in Behindertenwerkstätten keinen Mindestlohn erhalten könnten, weil sich die Einrichtungen sonst nicht tragen könnten. Sehr ehrlich erteilte er aber auch persönlich Absagen zu einigen Ideen wie dem bedingungslosen Grundeinkommen, an das er nicht glaube: „Ich denke, wir sollten weiterhin nach Leistung bezahlen“. Dass er selbst für seine „Leistung“ an diesem Abend mit einer Flasche Wein als Gastgeschenk von Martin Rabanus „belohnt“ wurde, freute den Sozialdemokraten sichtlich.


Quelle: Rheingau Echo

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