Dienstag, Dezember 19, 2017

Star Wars VIII: Die letzten Jedi

Die gute und schlechte Nachricht zugleich: Mittlerweile flimmert Star Wars im Jahresrhythmus auf der Kinoleinwand. Das nimmt dem Epos allerdings auch ein Stück seiner Faszination – hin zur Routine. Wenn dann aber das Licht im Kinosaal aus geht und der bekannte Jingle und die blaue Schrift „Es war einmal...“ erscheint, tritt das alles in den Hintergrund. Zweieinhalb Stunden später ist klar: Noch keiner der bisher sieben Teile wird wohl in der Anhängerschaft für so viel kontroversen Diskussionsstoff gesorgt haben.

Wer befürchtete (oder hoffte?), der zweite Teil der vor zwei Jahren gestarteten neuen Trilogie werde wie der erste zuvor eine Variation seines Pendants in der Ursprungstrilogie sein, wird beruhigt (oder eben enttäuscht). Zur Erinnerung: Nicht weniger als den Untergang des Abendlandes schienen viele Fans zu befürchten, als die Rechte für das „Star Wars“-Franchise 2012 von Lucasfilm an Disney gingen. Dabei ist es kurioserweise gerade der Mäuse-Konzern, der penibel genau auf die Befindlichkeiten der gigantischen Anhängerschar schaut: So kamen die Strategen offenbar zu dem Schluss, dass es George Lucas‘ umstrittener Prequel-Trilogie bei allen Qualitäten zuallererst am magischen ursprünglichen „Star Wars“-Feeling mangelte. Diese Sehnsucht griff „Das Erwachen der Macht auf“. Die Überreste der Rebellion, die sich nun der Übermacht einer Diktatur des absolut Bösen mit Hang zum Faschismus gegenüber sehen, sind ordentlich dezimiert. Und der Film endete mit der potenziellen Jedi-Padawan Rey auf einer einsamen Insel am Ende der Galaxis, auf der sich der altgewordene Luke Skywalker vor der Welt verbarg, als gescheiterter Jedi-Lehrer und letzte Hoffnung der Rebellen. So wie lange vor ihm Obi-Wan Kenobi seinen Schüler Anakin Skywalker – Lukes Vater – als Darth Vader an die dunkle Seite der Macht verloren hatte, so konnte auch Luke nicht ganz unschuldig gewesen sein an der Verwandlung seines Neffen und Zöglings Ben Solo in Kylo Ren.

Hier knüpft Teil acht der Trilogie an: Auch wenn die planetenzerstörende Starkiller-Basis vernichtet ist, befindet sich der Widerstand am Abgrund. Der furchteinflößend mächtige Anführer Snoke (Andy Serkis) hetzt seine Schergen der Ersten Ordnung auf die Flüchtigen um Generalin Leia Organa (Carrie Fisher), die von einer Flotte Sternenkreuzer in die Enge getrieben werden. Nach einem waghalsigen X-Wing-Manöver von Raumpilot Poe Dameron (Oscar Isaac) können sich die Rebellen durch eine List in den Hyperraum retten und nach einer neuen Basis für den Widerstand suchen. Währenddessen hat Rey (Daisy Ridley) den letzten Jedi-Meister Luke Skywalker (Mark Hamill) auf dem abgelegenen Wasser- und Inselplaneten Ahch-To gefunden und will sich nun ebenfalls zum Jedi ausbilden lassen. Doch der desillusionierte Eigenbrötler Luke verweigert Rey seine Hilfe. Die Abgewiesene baut unterdessen eine telepathische Verbindung mit Lukes Neffen Kylo Ren alias Ben Solo (Adam Driver) auf, um ihn von seinem Weg zur Dunklen Seite der Macht abzuhalten und stößt dabei auf ein düsteres Geheimnis in der Vergangenheit, an dem neben Kylo auch Luke beteiligt ist…

Rian Johnson nimmt die losen Enden des vorangegangenen Films auf, arbeitet die sich daraus für die Handlung ergebenden Konsequenzen pflichtschuldig, aber auch rasch und fast nebenbei mit einer Spur zu viel Slapstick ab. Wird das nun statt einer Weltraumoper eine romantische Sternenkomödie? Nein, denn Johnson vermischt Elemente unterschiedlicher Genres, als solle man sich als Zuschauer nie ganz sicher sein, ob man nun einem Kinderfilm, Actionreißer, Martial-Arts-Film, Superheldenblockbuster oder einer Klamotte folgt.

Außerdem bietet „Die letzten Jedi“ ein paar gewaltig schöne Weltraumschlachtszenen mit neuem Rüstungsmaterial, die die technischen Möglichkeiten des gegenwärtigen Blockbusterkinos voll ausschöpfen; und immerhin eines der diversen Laserschwertkampfduelle ist gekonnt und überwältigend choreographiert, bietet neben tollen Schauwerten auch inhaltlich Unerwartetes. Hier hat Kylo seinen allerbesten Moment: Er tanzt gleichsam auf der Grenze zwischen Gut und Böse und ist hin- und hergerissen wie nie zuvor. Adam Driver bringt als Kylo Ren überzeugend seine innere Zerrissenheit zum Ausdruck, ohne an die finstere Bösewicht-Aura eines Darth Vader zu dessen besten Zeiten heranzukommen.

Auch geht man nicht in einen Star-Wars-Film, um große Schauspielkunst zu begutachten. Aber das Potenzial, was zweifelsfrei in den Rollen des Han-Solo-Nachfolgers und Weltklassebruchpiloten Poe, der von Laura Dern (als Carrie Fisher-Ersatz gedachten?) verkörperten Rebellen-Generalin, dem zwielichtigen Benicio del Toro oder Ex-Sturmtruppensoldat Finn schlummert, wird leider nicht oder nur unzureichend gehoben – viel Platz bleibt dafür in Episode IX leider nicht mehr.


Gewünscht hätte man sich das auch für Daisy Ridley, war doch deren Rey nicht nur für die Rebellen in der Galaxis weit, weit entfernt die große Hoffnungsfigur: Dass Star Wars mit Rey eine zentrale weibliche Heldin bekam, die anders als die alte Prinzessin Leia nicht nur die Männer nach ihren Schlachten zu Hause im Raumschiff oder der Kommandozentrale wieder empfangen und aufpäppeln durfte, sondern selbst in den Kampf zog – das hatte den Reboot der Saga überhaupt erst in der Gegenwart glaubhaft gemacht.

Statt Rey wird Luke Skywalker zur tragenden Figur von „Die letzten Jedi“. Das ist aus sentimentalen Gründen und für den unterschätzten Schauspieler Mark Hamill absolut begrüßenswert, bringt aber die Galaxis von Star Wars nicht wesentlich weiter. Leias Darstellerin Carrie Fisher ist vor einem Jahr gestorben. Man sieht sie ein letztes Mal. Womöglich ist genau das ein guter Beleg für den größeren, unauflösbaren Zwiespalt, der in der Aufgabe Johnsons begründet liegt, einen Zwischenfilm zu drehen, die Brücke zwischen dem ersten und dritten Teil der aktuellen Trilogie.

Neben den sachten Neuerungen und Akzentverschieben gibt es aber natürlich auch wieder reichlich Liebgewonnenes, wobei der Nostalgiefaktor dieses Mal gegenüber „Das Erwachen der Macht“ zumindest ein wenig reduziert wurde. Was wäre „Star Wars“ ohne John Williams‘ majestätisch-geniale Musik? Ohne den Millennium Falken, C-3PO, R2-D2? Oder ohne den Eröffnungslauftext? Also gibt es diese Standards frei Haus.

Fazit: 40 Jahre „Star Wars“ und kein Ende in Sicht: Rian Johnson liefert mit „Die letzten Jedi“ einen starken Mittelteil der dritten Trilogie ab, der vor allem von der Rückkehr Mark Hamills als legendärer Luke Skywalker lebt.


Star Wars: Die letzten Jedi
USA 2017
Original: Star Wars: The Last Jedi
Regie: Rian Johnson
Drehbuch: Rian Johnson
Cast: Daisy Ridley, Mark Hamill, Carrie Fisher, Adam Driver, John Boyega, Oscar Isaac, Benicio Del Toro, Laura Dern, Kelly Marie Tran, U.A.
Spielzeit: 152 Minuten
Kinostart: 14. Dezember 2017

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.